Montag, 11. November 2013

St Martin



St. Martin! Romantische Laternenumzüge!!! Juhu! Natürlich findet in Timmys Kindergarten auch einer statt. Meine Vorfreude wird einzig durch die Tatsache getrübt, dass ich ja die Kinder mitnehmen muss. Noch mehr trübt sich meine Laune ein, als mein Ältester anscheinend plötzlich den Tick entwickelt hat, andauernd und lautstark das Wort Penis in Verbindung mit unflätigen Verben zu erwähnen.
Langsam werde ich böse. „Sag mal, woher hast Du das eigentlich???“
„Na, von Dir!“
Sagt’s, lacht dreckig und rennt sehr schnell davon!

Samstag, 9. November 2013

Ausflug ins Hallenbad



Nach langer Abstinenz planen wir endlich den heiß ersehnten Hallenbadbesuch. Ich weiß schon, warum ich den so lange vor mir hergeschoben habe. Aber anscheinend zu lange. Keiner von uns erinnert sich an den etwas komplexen Anfahrtsweg zu dem Hallenbad in der Pampa. Also noch mal zurück und Papas Schlauphone holen. Als ich endlich in der engen Umkleidekabine stehe und zwei Kinder (das größte hat Papa) und mich selbst umziehen muss, d.h. Unmengen kleiner Unterhosen, Socken, Strumpfhosen, Unterhemden, Schuhe, Hosen, Pullis etc. in diese seltsamen Netze hineinpfriemeln muss, erwäge ich kurz einen Nervenzusammenbruch. Währenddessen erscheint Marios Kopf in der Spalte unter der Tür der Umkleide. Er findet das witzig. Felicitas auch. Sie entwischt natürlich umgehend, während ich nackt in der Umkleide stehe. Meinen geplanten Nervenzusammenbruch kann ich also vergessen. Ich weise Marios an, Felicitas einzufangen. Ich habe übrigens zwei Badeanzüge, in denen ich wahrlich unbeschreiblich aussehe, da keiner von beiden mir richtig passt, einer ist zu eng, der andere zu weit, aber wer schaut mich an, wenn ich mit den drei Freaks unterwegs bin? Äh genau, alle! Heute habe ich mich für den Bodyformer (Presswurst) entschieden. Die Kinder rasen los und plantschen selig im Babybecken. Alle außer Felicitas, denn diese hat sich alles sehr genau angeschaut und plant einen Sprung vom 1,5 Meter Sprungbrett. Ich würde sagen: Komm in fünf Jahren wieder, Schätzchen! Die Heulsirene geht natürlich umgehend los. Babyabtransport zum Babybecken zu Papa. Jetzt kommt der gemütliche Teil. Ich schwimme fünfzehn Minuten lang allein herum. Dann ist Schichtwechsel und Papa beschließt, dass aus seinen verweichlichten Muttersöhnchen jetzt echte Männer gemacht werden, d. h. sie werden – immerhin! – mit Schwimmflügeln ausgerüstet und trotz Heulen und Zähneklappern ins große Becken geschmissen. Lautes Weinen ertönt (aber sie leben! Schluchz!). Kurze Zeit später sehe ich zu meinem großen Erstaunen keine schwersttraumatisierten Zwerge mit lebenslanger Panik vor dem Wasser, sondern dass die Jungs beide richtig schwimmen und dabei ausgesprochen fröhlich aussehen! Wow! Ich bin begeistert! Ich hatte schon ein schlechtes Gewissen, dass die beiden nie einen Schwimmkurs hatten, aber es geht anscheinend auch auf die traditionelle Art und Weise, ohne Quietscheentchen-Gesänge und sanfte Heranführungen und Kasperletheater durch qualifizierte Kursleiterinnen. Tja, im Grund war das Ganze eigentlich ganz entspannt, sieht man von meinem Wutanfall am Ausgang ab. Ich hatte Grissini eingesteckt, nach denen Timmy emsig grapschte, verfolgt und gemaßregelt von einer Reinigungskraft, die ständig auf der Hut war, ob er irgendwelchen Müll oder Brösel auf den Boden warf. Mein geschätzter Ehemann tutete ins gleiche Horn und fing eine Grundsatzdiskussion an, ob man zu Ausflügen Essen mitnehmen soll oder nicht. Andere Menschen auf dem Erdball müssen schließlich mehrere Tage hungern und überleben es! Die Putzfrau zeterte ebenfalls. Kreisch! Fürs nächste Mal muss ich meinen Ältesten nach ein paar gesalzenen Kraftausdrücken fragen, die er in der Schule gelernt hat!

Donnerstag, 7. November 2013

Männer!



Mario hat sich leider in der Schule daneben benommen. Ich erzähle meinem Ehemann davon. „Die Lehrerin hat mir eine Notiz geschrieben, dass sich Mario in der Schule mit einem Jungen geprügelt hat.“
„Und? Wer hat gewonnen?“

Donnerstag, 26. September 2013

Bühne frei


Heute mal was ganz Neues: Mario beschließt, dass er als Schulkind seinen Schlaf braucht (ich träume wohl!!!!) und geht schon um 21 Uhr ins Bett. Timmy hat sich nach einem Nachmittagstief allerdings wieder voll regeneriert und denkt überhaupt nicht dran. Statt wie geheißen zu Papa zu gehen und den zu nerven, kommt er immer wieder ins Schlafzimmer: Timmy  möchte eine Geschichte vorgelesen haben. Ok. „Rituale sind wichtig!“ Nr. 1-Ratschlag aller Nr. 1-Kinder-Ratgeber. Ich mache das seit sechs Jahren. Weitgehend ohne Erfolg. Aber ich möchte schließlich selbst auch die Drachengeschichte lesen.
  • -        Timmy blättert wild in dem Buch herum.
  • -          Felicitas blättert wild in dem Buch herum.
  • -          Timmy und Felicitas streiten wild um das Buch herum.
  • -           Timmy wird ermahnt, umgehend den Raum zu verlassen, wenn er sich nicht beruhigen kann.
  • -          Timmy verlässt den Raum.
  •         Timmy kommt wieder herein und hüpft auf seinem Bruder herum.
  • -          Mario ermahnt Timmy: „Ich muss morgen in die Schule und ich darf nicht zu spät kommen!“ (Hörthört!)
  • -          Timmy verlässt den Raum.
  • -          Kurze Zeit später öffnet sich die Tür wieder. Timmy robbt auf allen Vieren herein und ist ein Hundebaby.
  • -          Hundebaby wird ermahnt, umgehend den Raum zu verlassen, wenn es sich nicht beruhigen kann.
  • -          Hundebaby verlässt den Raum.
  • -          Tür öffnet sich wieder und Hundebaby kommt zurück mit einem Knochen (lange Babyspielstange).
  • -          Hundebaby verwandelt sich zurück in Timmy, zieht seinen Schlafsack an und spielt damit Sackhüpfen.
  • -          Timmy wird ermahnt, umgehend den Raum zu verlassen, wenn er sich nicht beruhigen kann.
  • -          Timmy verlässt den Raum.
  • -          Timmy kommt im Schlafsack hüpfend zurück. Der Schlafsack ist aufgebläht und klirrt und klingelt, da er anscheinend bis zum Halsansatz voll mit Spielzeugautos gefüllt ist.
  • -          Timmy wird ermahnt, umgehend den Raum zu verlassen, wenn er sich nicht beruhigen kann.
  • -          Timmy kommt splitterfasernackt zurück.
  • -          Timmy wird ermahnt, umgehend den Raum zu verlassen und sich anzuziehen.
  • -          Timmy hüpft nackt auf dem Bett bzw. seinen Geschwistern herum.
  • -          Timmy wird nicht mehr ermahnt, umgehend den Raum zu verlassen, wenn er sich nicht beruhigen kann, da das Mama jetzt egal ist, denn die anderen zwei schlafen tief und fest.
  • -          Ehemann schläft ebenfalls tief und fest im Fernsehsessel.
  • -          Mangels persönlicher Entfaltungsmöglichkeiten schläft der Nudist nun ebenfalls ein.
  • -          Wird schlafend angezogen und zugedeckt.
  • -          Gute Nacht.

Mittwoch, 25. September 2013

Süper Haare

Süper Haare
Mein Ältester kommt ja bald in die Schule. Alles ist bereit, Schulranzen gekauft, Schultüte gebastelt, eifersüchtiger Bruder einigermaßen beruhigt. Nur eins noch: Mir fällt auf, dass ein neuer Haarschnitt mal wieder angebracht wäre, der kleine Große soll ja auch schön aussehen. Ich hole ihn also gemeinsam mit Felicitas schon früher aus dem Hort ab, während Timmy noch im Kindergarten ist, so können wir dies auch noch in Ruhe erledigen. Mario ist zwar willig, dennoch läuft er langsamer als ein alter fußlahmer Esel und benötigt außerdem während des ca. 1 Kilometer langen Fußweges eine Rast mit Brotzeit und eine Rast mit Turnpause, während der er einmal in einen Busch fällt und sich einmal die Knie aufschabt. Gut, eine gute halbe Stunde später sind wir auch schon da. Wir gehen heute mal nicht in den Salon, den ich der Einfachheit halber Turkish Süper Haare nenne, da die meist türkischstämmigen Besitzer sehr oft wechseln, sondern ich will was Anderes ausprobieren. Mein Sohn ist skeptisch. Im Haarmode-Salon werden wir von einer jungen gepflegten Dame freundlich begrüßt; auf einer Vielzahl von Friseurstühlen sind allerlei Omis, die sich die Haare ondulieren, Frauen, die sich die Haare mit Strähnen versehen lassen, bis in die Tiefen des Raumes aufgereiht. „Heute müssten Sie eine Stunde warten, aber wir können einen Termin ausmachen.“ „Mama, bitte nicht!“ Marios Blick ist voll Angst und Verzweiflung. „Bitte hier nicht. Hier gefällt es mir nicht. Ich will dahin, wo wir immer hingehen.“
Draußen läuft er traurig und mit hängenden Schultern neben mir her. Er tut mir richtig Leid. „Ok, wir gehen dahin, wo Du willst!“
Als wir dort sind, ist Mario gleich begeistert: „Da will ich hin!“ Ich frage eine nett aussehende rothaarige Frau mit russischem Akzent, ob es heute geht. „Ja, können Sie soforrt bei Kollägän!“ Sie zeigt nach links. Mir fallen fast die Augen raus: Vor uns steht ein bulliger, äußerst finster dreinblickender Orientale mit Armen wie Baumstämme, die über und über mit gruseligen Tätowierungen verziert sind. Und als er uns sieht, wird sein Blick noch viel finsterer. Ich habe ein bisschen Angst vor ihm, aber ich kenne meinen Sohn und weiß, dass so ein Coiffeur seines Vertrauens aussieht. Ich sehe zu Mario. Mario nickt. Godzilla hebt Mario (27 kg), als wäre er ein Wattebäuschchen, auf den Friseurstuhl mit einer Sitzerhöhung für Kinder. „Bitte ihm die Haare schneiden.“ Ich erkläre, dass Mario hinten einen Wirbel hat, blabla … Ich merke schnell, dass der Mann kein Wort versteht. Ok. Ob er Deutsch kann, kann mir eigentlich egal sein, da er eh nicht so aussieht, als würde er gern mit mir über die neuste Brigitte-Diät parlieren. Ich deute auf Mario und sage: „Haare!“ Ich hoffe, dass ihm aus dem Kontext des Friseursalons, in dem wir stehen, klar ist, dass er Mario die Haare schneiden soll, nicht Ohren abreißen oder sowas. „Erst Maschine“, droht er und macht sich unheilvoll dreinblickend ans Werk. Mario ist hochzufrieden. Das süperdüper Handy des Orientalen (?) beginnt während der zehnminütigen Prozedur ungefähr fünf Mal zu klingeln. Felicitas ist von dem ganzen Geschehen so fasziniert, dass sie vergisst, dass ich sie böserweise im Buggy festgeschnallt habe. Als er fertig ist, frage ich: „Können Sie noch einen Blitz hineinrasieren?“ Er blickt mich jetzt höllendüster an. Ich nehme meinen ganzen Mut zusammen und male mit dem Finger einen Blitz an die Seite von Marios Kopf. Er dreht sich um und geht weg. Oh Gott, holt er eine Axt? Er kommt zurück mit einem Notizblock und Kuli, malt einige Striche und zeigt sie Mario. Mario schüttelt den Kopf. Godzilla gibt Mario den Kuli. Mario malt auch und dann male ich. Schließlich haben wir uns geeinigt, und das Werk wird vollendet. Dann geschieht es: Godzilla lächelt mich an! Dann lächelt Mario mit den Blitzen an den Schläfen und frisch geschnittenem Haar mich an, nur Felicitas weint ein bisschen, weil sie jetzt doch raus will. Ach, bei Turkish Süper Haare ist es halt doch am besten!
Ich versuche es heute mal wieder mit Vollkorn-Spaghetti!
Blankes Entsetzen bei den lieben Kleinen: „Wir wollen keine dreckigen Nudeln!“

Die Probestunde


Mein Sohn Mario ist nach den Schulstunden derart bewegungssüchtig, dass er auf unseren Möbeln herumspringt und wir uns vorkommen wie bei Tarzan im Dschungel. Um unser Mobiliar zu schonen, schlage ich vor, eine Probestunde Judo zu absolvieren. Die Begeisterung ist bei beiden Jungs groß. Aufwand auch. Im Hort anrufen und organisieren, dass Mario früher nach Hause kommt, Timmy zwei Stunden früher aus dem Kindergarten abholen, ihn davon überzeugen, dass man fünf Minuten vor Abmarsch kein komplettes Vollbad mehr nehmen kann, Sportsachen richten, Wasserflasche, Anti-Quengel-Keks für Felicitas usw. Bei strömendem Regen (Regenhaube für Kinderwagen, Regenmäntel, Kinderschirme, Diskussion, ob man Gummistiefel braucht) geht es auch schon los. Mich überkommt angesichts der Wassermassen eine gewisse Müdigkeit. Ich weiß ja, dass es total gesund ist, bei Wind und Wetter andauernd draußen zu sein, aber ich habe einfach keinen Bock; ich würde ehrlich gesagt lieber im trocknen Auto sitzen (ich verdränge den Gedanken, dass mir das auch nichts nützen würde und vermutlich noch langer dauern). Die Kinder lassen sich von meiner miesen Stimmung nicht anstecken, sondern hüpfen fröhlich durch die Pfützen, nicht ohne ständig zu meditativen Pausen innezuhalten, um Schleim-Schnecken oder dekorativ verrottenden Müll zu beobachten bzw. mit ihren Kinderschirmen Kung-Fu-artige Performances hinzulegen. Ich warte. Warte. Warte. Das habe ich einkalkuliert und schließlich sind wir bei der Turnhalle.
Letztendlich sieht die Lage so aus. Mario fürchtet sich so sehr vor den anderen Kindern und dem Judo-Lehrer, dass er sich außerstande sieht, auch nur ansatzweise die Judo-Matte zu betreten. Timmy ebenfalls. Meiner Meinung nach sieht der 2-Meter-Hüne mit schwarzem Gürtel im Vergleich zu Marios Friseur total harmlos aus. Die Einzige, die unbedingt und pausenlos auf die Judo-Matte will, ist Felicitas. Die sich verrenkenden Kämpferpaare, die sie vermutlich an ihre Brüder erinnern, ziehen sie magisch an, während ich sie davor zu bewahren suche, eins auf die Mütze zu bekommen. In meinen Armen dreht sie sich wie ein wild gewordenes Grillhähnchen und kreischt und brüllt wie angesengt - ein Höllenlärm, ununterbrochen. Den machen – trotz ihrer Furcht – die anderen beiden allerdings auch. Sie ziehen wie eine Naturgewalt durch die Halle und übertreffen den Lärm der anderen zehn Kinder bei Weitem. Den Judo-Lehrer juckt das nicht, aber eine Mutter bittet mich, ich solle meinen Kindern die Schuhe ausziehen, weil sie das Getrampel stört. Keine Sportschuhe und kein Rennen in einer Turnhalle?! Hä? Vor Verblüffung bleibt mir die Spucke weg, aber das mache ich ganz bestimmt nicht. Da die Blagen sich aber so furchtbar aufführen, hätte ich doch nicht übel Lust, meinen Frust abzuladen und die Alte total zur Schnecke zu machen und hoffe, sie kommt nochmal, jetzt, wo ich im hysterische-Schnepfen-Modus bin. Aber nein, sie denkt anscheinend, ich sei gestraft genug, was auch der Wahrheit entspricht. Die Einzige, die wirklich Sport macht und schwitzt wie ein Schwein, bin ich, da ich ja die ganze Zeit das Grillhendl durch die Halle trage in der Hoffnung a) dass es die Existenz der Judo-Matte vergisst, b) dass die zwei anderen Sportfreaks sich doch noch besinnen. Beide Hoffnungen zerschlagen sich natürlich innerhalb der nächsten Stunde, obwohl ich mit Engelszungen auf sie einrede. Ich bin stinksauer. Abmarsch! Wir latschen im Regen nach Hause. Timmy findet einen Regenwurm und nimmt ihn mit. Als er ihn auf den Boden wirft und darauf herumspringt, verkündet er voll Freude: „Er ist wieder aufgewacht!“ Ich glaube, der arme Regenwurm ist da leider ganz anderer Meinung. Dann findet er einen ekelerregenden alten Strick und kaut darauf herum. Er kann sich erst vor der Wohnungstür von dem Teil trennen, was ja sehr schön ist, andererseits schleudert er das Ding einfach ins Treppenhaus.
Mein Gott! Wieso mache ich sowas? Wozu gibt es Kindersport?
Abends, als ich mich etwas beruhigt habe, sage ich Mario, dass er nicht mehr ins Judo braucht, aber dass er einen Sport machen solle, von mir aus im Garten rennen, ins Kinderturnen, Fußball spielen, oder sonstwas. Sind wir uns darüber einig, dass Sport gut ist. „Ja!“
„Und, Mario, was willst Du machen?“
„Judo!“
PS: Kleiner Scherz.