Samstag, 14. Juni 2014

Kinder – Was man vorher auf keinen Fall wissen sollte …. Zu Risiken und Nebenwirkungen

  1. Schlaf, Kindlein, schlaf…. Für Mütter sehr lustig sind Bemerkungen wie „Ich habe die letzte Nacht so schlecht geschlafen…“ – Die Nächte, die ich in den letzten sieben Jahren durchgeschlafen habe, sind im Kalender rot angekreuzt und das sind …. Moment mal… ach so ja, keine!
  2. Der totale Verlust jeglicher Privatsphäre! Die Toilette zum Beispiel war einstmals ein streng abgeschlossener Bereich. Mit steigendem Kindersegen steigt auch die Anzahl der Kronzeugen, die sich gegen die Kloschüssel schmeißen, an meiner Unterhose ziehen, die Klorolle mitnehmen und bis aufs Mark entrollen, „Bist Du endlich fertig? Ich muss pieseln!“ quäken. Gerne auch mit Kommentaren à la „Du hast ja gar keinen Penis!“ (echt? Ist mir noch gar nicht aufgefallen!), „Wieso hast Du keinen Penis? Hat den jemand abgeschnitten?“, „Kannst Du trotzdem pieseln?“, oder großzügigen Angeboten wie „Wenn Du kacken willst, geh ich raus“ usw. Mit steigendem Alter verlagert sich der Themenkomplex Privatsphäre eher in Richtung: „Mama, ich habe alle Deine Geheimverstecke durchsucht, aber den Nintendo nicht gefunden! Jemand muss ihn geklaut haben!“
  3. Stichwort Pest und Cholera: Die Schilder, die einen morgens an der Kinderkrippen-/Kindergartentür begrüßen, erinnern an ein mittelalterliches göttliches Strafgericht. Heute haben wir im Angebot: Ansteckung mit Scharlach/Noro-Virus/Streptokokken/Ringelröteln/Windpocken/Mund-Hand-Fuß-Krankheit/Läusen etc. pp. Selbstverständlich verwandelt man innerhalb von kürzester Zeit sich von einem einstmals kerngesunden Menschen in ein wochenlang vor sich dämmerndes Wrack. Das Kind allerdings hat sich innerhalb von einer Stunde von seinen 40 Grad Fieber erholt und springt fröhlich auf einem scheintoten Menschen herum, und im Bad wartet ein Riesengespenst bestehend aus ungewaschenen Bettlaken mit Magen-Darm-Stilleben auf weitere Bearbeitung. Aber hier gibt es Hoffnung: Bereits nach einigen Jahren hat sich das Immunsystem soweit angepasst, dass man fröhlich pfeifend durch den Schilderwald geht (äh Moment mal, ich glaube, mir ist doch ein bisschen schlecht). Klar ist auch, dass sämtliche irgendwie behandlungsbedürftig erscheinenden Krankheiten AUSSCHLIESSLICH von Freitag 15 Uhr bis Montag 6 Uhr eintreten, an denen kein normaler Kinderarzt zu erreichen ist, bevorzugt an mehreren aufeinander folgenden Feiertagen wie Weihnachten. Was haben wir schöne Stunden in der Notaufnahme verbracht! Mein persönliches Highlight möchte ich Euch nicht vorenthalten: wenige Tage nach Felicitas' Geburt per Kaiserschnitt dachte ich mir, ich bin ja topfit, ich geh jetzt mal mit Felicitas den Timmy aus der Krippe abholen. Komisch, da steht ein Krankenwagen vor der Tür, was wollen denn die? Kurz Zeit darauf bugsierte ich den Kinderwagen genau dort hinein, während Timmy mit einem imposanten weißen Turban auf dem Kopf von zwei Sanitätern hineintransportiert wurde. Unfall in der Kinderkrippe, Riesenplatzwunde, die dann genäht werden musste. Das Schlechte daran: Damit war Timmy nicht einverstanden. Das Gute: Wegen des absolut ohrenbetäubenden Geschreis des damals Dreijährigen war das Geplärr von Felicitas (absolutely not amused) praktisch nicht zu hören!
  4. Man ist nicht stinksauer, wenn man am Wochenende um 7 Uhr Früh angerufen wird. Warum auch? Man ist ja bereits seit mehreren Stunden auf den Beinen!
  5. Die Wortkombination „mal schnell“ kann man komplett aus dem Vokabular streichen. Mal schnell auf die Post? Ja klar. Windel und Feuchttücher habe ich stets in meinem robusten Riesen-Rucksack (statt fein gewirktem Handtäschchen) dabei, jetzt muss ich ja nur noch drei Kinder davon überzeugen, mich zu begleiten. Felicitas
  6. ist mit Feuereifer dabei, leider hat sie schon wieder die Windeln voll. Also erst mal Boxenstopp. Die Hose, die sie vorher anhatte, gefällt nicht mehr. Die andere, die ich ihr anbiete, auch nicht. Ebensowenig die witterungsangepassten Gummistiefel. Sie möchte ausschließlich Sandalen. Die Jungs haben überhaupt gar keinen Bock. Mario schiebt zwar glücklicherweise Panik, allein zu bleiben, allerdings HEUTE NICHT, ebenso wenig wie sein grundsätzlich unpanischer Bruder, der ja auch gern mal allein auf die Walz geht. Man möchte außerdem mit dem Fahrrad bzw. Roller fahren. Dazu bräuchte man jetzt aber auch den passenden Helm, den man erst mal finden müsste. Außerdem ist die Jacke verschollen. Hatten wir nicht mal Kinder-Regenschirme? Nein, man lehnt Regenschirme grundsätzlich ab. Doch halt - Felicitas schreit: „Schilm! Schilm!“ Sie soll aber auf gar keinen Fall einen Schirm bekommen (Warum habe ich dieses Wort erwähnt??? Ich könnte mich ohrfeigen!), da sie ihn sofort in seine atomaren Bestandteile zerlegen wird! Äh, leider gießt es jetzt wie aus Kannen. Ich müsste Felicitas eigentlich in den Kinderwagen setzen und den Regenschutz aus Plastik darüberziehen, was sie hasst wie die Pest, d.h. sie wird tropfnass werden, sich erkälten, dann kann ich wieder nachts Wache schieben, also noch mehr als sonst… äh, war das mit der Post eigentlich so eilig…
  7. Stichwort „Drei Anarchisten und ihr verrückter Sklave“, also Hausarbeit: kein Problem mit drei Kindern … wenn man eine Haushälterin hat, die 24 Stunden lang im Dienst ist. Das klappt zum Beispiel, wenn mich meine Mutter besucht, die dann nach drei Tagen theoretisch reif für eine dreiwöchige Kur ist oder sich mit irgendwelchen Monster-Viren/Bakterien aus der Kategorie Pest und Cholera angesteckt hat. Ansonsten materialisieren sich STÜNDLICH die unglaublichsten Dinge, wie zum Beispiel 312 gefaltete Papierflieger, 542 Legosteine, 3 halbleere Joghurtbecher mit durchstochenem Deckel, Mitteilungen der Lehrerin, die ich vor drei Monaten hätte lesen sollen, versteinerte Schokospucke, 1 verfaulte Nektarine (ich habe gar keine Nektarinen gekauft!), 1 5-Euro-Schein, 5 verschiedene angegammelte Socken sowie 6 (!) Schuhe ohne Partner, 1 vollgepieselte Unterhose. Bei besonderen Aktionen wie z.B. WUTANFALL! KREISCH! WENN IHR JETZT NICHT SOFORT DIE LEGOSTEINE EINSAMMELT, PASSIERT WAS!, kommt es dann zu exquisiteren Fundstücken: „Ich kann die Legosteine nicht einsammeln, hier stinkt es so!“ Nach ausführlicher Fokussierung des Epizentrums finden wir unter dem Bett eine mumifizierte Pipiwindel, die JEMAND unter das Bett gekickt hat, obwohl das STRENG verboten ist! VERBOTEN!!!! Verdammt nochmal! Der verrückte Sklave erleidet einen leichten Kurzschluss, bevor er die Windel wegwirft, die Legosteine in ein noch geheimeres Geheimversteck deponiert und sich in seine Zelle einsperrt.
  8. Freizeit, gemeinsame Aktivitäten mit Freunden! Ach ja, da war noch was. Ein organisatorischer Kraftakt, der eigentlich nur bei Zusammentreffen äußerst günstiger Umstände gelingt. Tatsächlich waren mein Mann und ich nach wenigen Jahren mal gemeinsam ohne Kinder unterwegs! Dazu ist nur Folgendes nötig: 1. Es gibt tatsächlich noch Freunde, die uns zu irgendwas einladen. 2. Aufgrund einer astrologischen Spezialkonstellation sind meine Eltern als Babysitter vorhanden. 3. Das Ganze findet am Wochenende statt! Und schon kann es nach ca. drei Jahren Wartezeit spontan zu zwei Stunden gemütlichen Beisammenseins auch schon losgehen! Leider sind meine Nerven vom ständigen Mama-Hier, Mama-Da derart aufgeschürft, dass ich die ganze Zeit meinen Mann und alle anderen nerve, dass wir nach Hause müssten, damit meine Eltern nicht durchdrehen, denn dann habe ich ja keinen Babysitter mehr, was ist, wenn Felicitas die ganze Zeit heult, die Jungs irgendein verrücktes Kamikaze-Ritual durchführen etc…. Meine Eltern drehen natürlich nicht durch, Felicitas liegt schlafend im Bettchen, die Jungs sind zwar wach, aber schon in Bettmontur. Das hab ich jetzt versaut! 
  9. Stichwort Nerven: Quietsch, Kreisch, Puff-Puff, Prügel-Prügel… Quietsch, Kreisch, Puff-Puff, Prügel-Prügel… das machen wir jetzt mal 5-6 Stunden lang. Nebenher schmeißen wir die eben aufgeräumten 512 Legosteine herum plus 49 Puzzleteile auf dem Boden, beschmieren heimlich die Stühle mit Butter, stampfen lustig zu netten Weisen wie 478 Mal „Backe backe Kuchen“ auf frischen Erdbeeren, während einer Dino-Roboter (Danke, Opa) lautstark vor sich hinleiert „Ich bin Tyrannosaurus Rex! Ich kann ein Autodach durchbeißen!“ (aber es könnte noch schlimmer sein, die Tochter meiner Nachbarin hat von ihrem Musiklehrer eine POSAUNE geliehen bekommen! Die Schallwelle treibt einem echt die Tränen in die Augen). Timmy ruft: „Warum kriege ich kein Eis?“, Mario hat noch Hausaufgaben zu machen, allerdings weist sein Heft verdächtige feuchte braune Ränder auf. Was zur HÖLLE ist das? Das Ortungskommando scannt mit Superpower-Spezialaugen den Schulranzen. Alarm! Das braune Schleimzeug, das Commander Nina herausschöpft, war eventuell einstmals eine Nektarine (Woher kommen eigentlich diese vielen Sch…leimnektarinen alle her???), jedenfalls steht eine komplette Grundreinigung an. Ebenfalls meiner Tochter, deren Windel kurz mal überläuft. Moment mal, irgendwas steht doch auf dem Herd, das Telefon klingelt…
  10. Unterpunkt zum Stichwort Nerven: Man muss auch leider sagen, dass hinter jedem Kind eine gigantische Bürokratie- und Organisationslawine herrollt. Der Antrag auf Elterngeld ist ungefähr einen halben Zentimeter dick, und diesen mit einem brüllenden Säugling im Arm auszufüllen, ist schon mal die erste Feuerprobe. Das Thema Kinderbetreuung ist auch kein so wirklicher Spaß, und wer sich schon mal mit dem Thema „Gebührenordnung“ von Kindergärten beschäftigt hat, weiß, dass all dies sich vom Wohlfühlfaktor her sehr stark dem Thema Steuererklärung annähert. In unserer geliebten Stadt ist es zudem so, dass man mindestens 1-2 Mal im Jahr, anscheinend zur Überprüfung der Herzgesundheit der Eltern, einen falschen Gebührenbescheid mit Fantasie-Nachforderungen in drei- bis vierstelliger Höhe erhält. Ok, wenn man sich mehrere Stunden ans Telefon setzt und dann dreitausend verschiedene Unterlagen wieder zusammen hat, braucht man die auch nicht zu bezahlen. Ein bisschen Spaß muss sein, gell!
  11. „Ehe und Familie“ / „Ehe oder Familie“? Kinder sind ja bekanntlich die Krönung jeder Liebe …. Danach geht’s steil bergab. Ratgeber empfehlen da: Nehmen Sie sich Zeit für sich als Paar, usw. Aber da sind wir uns einig: Wann zur Hölle sollen wir das denn auch noch machen? Bzw. haben wir das nicht schon zu oft getan (Resultat: die drei Anarchisten)? Bei Streitpunkten halten wir uns ansonsten strikt an die Choreographie absolut erprobter Klassiker: DEIN SOHN/DEINE TOCHTER hat wieder das und das verbrochen, vom WEM hat er/sie das bloß? WARUM sieht es hier eigentlich so furchtbar aus? WER leidet mehr unter den Machenschaften der Kinder und hat deswegen das Recht auf ein heiß umkämpftes Privileg wie alleine ausgehen, am Wochenende ausschlafen, etc.?
  12. Das Packesel-Syndrom: tragen, tragen, tragen. Auch ein kleines Baby wird schwer, wenn man es 24 Stunden lang trägt, was im Normalfall exakt das ist, was es unbedingt möchte – aber wenn es nur das wäre: Wäschekörbe, Riesenkoffer mit Kleidern, Sommerklamotten, Winterklamotten, Übergangsklamotten, Spezialklamotten (Fasching, Schwimmen), Zwischenklamotten (die nicht mehr/noch nicht passen, aber irgendwem irgendwann wieder anziehen kann), Sommerschuhe, Winterschuhe, Übergangsschuhe, Turnschuhe, Badeschuhe, Einkaufsberge (7 Liter Milch, eine drei Kilo schwere Wassermelone, 2 Kilo Kartoffeln usw.), Klopapierrollen, Haushaltspapierrollen, Windel-Großpakete, kleine Laufräder, kleine Kinder, Schultaschen, Müllbeutel, Windelbeutel, Jacken, Roller, Sturzhelme, Schlitten, Planschbecken etc.
  13. Styling. Früher: Oh, meine Bluse hat einen Fleck, schnell umziehen! Jetzt: Oh, was für ein Glück, meine Bluse hat nur einen Fleck, da muss ich mich nicht umziehen! Weitere Dekomöglichkeiten (einzeln oder kombiniert einsetzbar): batikartig verteilte Rotzschlieren, Kindmundabwisch-Spuren (bestehend aus Butter, Milch, Kakao, Ketchup), tatortartigen Blutflecken (Kind hat sich den Zahn ausgeschlagen, Nase angehauen, Knie aufgeschürft usw.), oder pointilistische Gemälde aus Zahnpastaherumspritz, Windelherumspritz, Saftherumspritz, Eisherumspritz, Spinatherumspritz, Tomatensoßeherumspritz…
  14.  Wäsche! Ich sage nur so viel: Ich habe den Verdacht, dass es hier eine hinterhältige Zweitfamilie mit exakt identischen Klamotten gibt, die einfach ihre Sachen in unseren Wäschekorb schmuggelt und sie von mir waschen lässt. Anders kann ich mir diese unglaublichen Wäscheberge nicht mehr erklären!!!!
  15.  1 Breze 3 Euro (davon 0,20 Mehrwertsteuer), 1 Eis an der Tankstelle 12 Euro (0,79 MWStr), Eintritt ins Kino 35 Euro (5,59 MWStr), Flug nach Berlin 750 Euro (119,75 MWStr), 15 Kinderhosen 300 Euro (47,90 MWStr). Auch wenn es nach Adam Riese keine große Überraschung ist, für viele ist es, wie ich immer wieder merke, doch eine: Es kommt zu leichten Verschiebungen in der Kalkulation, wenn man alles mit 5 multipliziert. Ich bin froh, dass mit unseren Steuergeldern Sinnvolles wie die Unterstützung notleidender Banken oder Abgeordneter oder…. (Liste beliebig fortsetzbar) getan wird und danke auch noch mal Angela Merkel, dass sie die versprochene Kindergelderhöhung nicht durchgesetzt hat, denn das versaufen die Eltern doch ohnehin bloß (ein günstiger Spaß! 2 Bier 1,20 Euro, 0,19 MWStr)! Außerdem: In Bangladesch gibt es auch kein Kindergeld, und da leben schließlich die glücklichsten Menschen der Welt! Und das seid Ihr doch auch, liebe Eltern, Mütter und Väter, allen Dingen, die man vorher lieber nicht wissen sollte, zum Trotz!

Sonntag, 4. Mai 2014

Wochenende bei Oma und Opa



Wochenende bei Oma und Opa
Freitag, Brückentag. Timmy hat Kindergarten-frei, Mario ist in der Schule. Er ist ein reiner Engel. Er beschäftigt sich stundenlang allein, macht sich sogar selber Essen, ich kann vor mich hin wurschteln. Er fragt zwar stündlich, wann es zu Oma und Opa losgeht, gibt sich aber mit Infos wie „nur noch 6 Stunden“ zufrieden.  Wie schön ist es, Zeit mit Timmy allein zu verbringen.
Allerdings ist mir, als wir unser Ziel erreichen, nicht mehr klar, wie ich sowas jemals denken konnte. Die Jungs verkeilen sich minütlich zu heulenden Schreiprügelknödeln, die aber um nichts in der Welt auseinanderdividiert werden können. Wir sind dem Wahnsinn nahe. Leider ist der Samstag für die Jahreszeit erschreckend kalt. Es pfeift ein eisiger Wind. Nachmittags ist aber der Siedepunkt derart überschritten, dass nur noch ein Aufenthalt im Freien helfen kann, auch wenn mein Ältester schwer erkältet ist. Alle Vorschläge, inklusive meiner eigenen, finde ich zwar pupslangweilig, aber letztendlich gehen wir zu einem relativ windgeschützten Spielplatz im Wald. Am Bolzplatz ist alles ganz schön, alle Jungs (Papa, Opa, Timmy, Mario) fangen an zu kicken, während Felicitas das Tor zu erklimmen versucht. Haha, ich versuche mich zu absentieren und ein paar Schritte durch den wunderbar ergrünten Wald zu gehen. Die Vöglein zwitschern, die Jungs schreien. Ich ignoriere Letzteres. Laute Wortgefechte und lautes Drama-Geheule erschallt. Ist mir doch egal. Ich stapfe weiter, das Grün lockt. Leider wird das Gebrüll immer lauter. Ich drehe mich um, sehe meinen Mann mit einem lateinamerikanischen Temperamentausbruch herumrasen, während Mario lautstark brüllt: „Du hast mein Leben ruiniert!“ (Das klingt zwar stark nach neurotischer Ehefrau, aber: Nein, meine Lieben, von mir hat er das nicht! Eventuell mal in der Theatergruppe nachfragen???). Er heult Rotz und Wasser. Also Kommando zurück. Die nächste halbe Stunde kann ich damit verbringen, heulende, wütende Männer jeglicher Altersklasse zu beruhigen. SUPER! Genauso habe ich mir meinen Waldspaziergang, der 47 Sekunden dauerte, ja gewünscht. Die Einzige, die spitzenmäßig drauf ist, ist Felicitas. Es wundert mich ein bisschen, wieso sie vor der 10 Meter langen Rutsche zurückschreckt. Jedenfalls hat der Aufenthalt im Freien nicht den gewünschten Effekt. Die Stimmung ist mies. Und bleibt es auch. Wir packen die Kinder ins Auto. Das heißt natürlich, dass erst mal stundenlang herumgestritten wird, wer wo sitzt, abwechselnd heulen, böse Worte der Eltern. Beim Essen geht’s weiter. Timmy will 7 Bratwürste, und wenn es nicht 7 sind, dreht er durch! Da wir ihm 7 geben, erwarten wir als Gegenleistung, dass er NICHT durchdreht, aber wir sind ja auch so blöd, dass wir den Aussagen eines Vierjährigen Glauben schenken: Timmy hüpft bis 23 Uhr in der Botanik herum. Solange, bis Felicitas wieder wach ist. Aber egal, ich kann ja bis 6 Uhr mit 7 Mal Wecken ausschlafen, gell.
Am Sonntag ist das Wetter besser. Wir gehen gleich mal spazieren. Die Jungs springen, nach Anleitung vom Papa, über einen Bach. Ich frage mich in stiller Ergebenheit:  Wer ist als Erster nass? Wer hat den meisten Bachschleim an den Hosen hängen? Timmy, der mit den dreckigsten Hosen, ist im Gebüsch verschwunden. Ist mir aber egal, so lange die Stimmung gut ist. Wir genießen noch Omas Semmelknödel und fahren dann los, d.h. ich sammle gefühlte 7 Trizillionen Klamotten in den Riesenkoffer ein, der für 48 Stunden auch vollkommen ausreicht, wenn wir uns nur im absoluten Notfall (z.B. Magen-Darm-Erkrankung aller drei Kinder) umziehen. Das heißt, das Auto ist brechend voll, wir streiten ritualmäßig, wer wo sitzen soll, ab geht’s. Und doch, es gibt auch schöne Momente. Zum Beispiel das Juramuseum in Eichstätt, zu dessen Besuch ich mich entschlossen habe. Mein Mann erklärt, dass wir bei dessen letzten Besuch noch kinderlos waren, aber er angeblich „Überstunden machen“ musste, um diesen Zustand zu ändern. Too much information. Die Jungs winken gelangweilt ab. Klar ist, dass Felicitas sofort die Hosen voll hat, sobald wir uns endlich aus dem Auto mit den vielen Sachen an Bord geschält haben. Ich wickle sie mangels Wickelplatz in einer Art Schießscharte auf der Bonsai-Toilette, was ihr gar nicht gefällt. Besser ist das Museum mit Mammut-Skelett und  Steinzeit-Mann (nein, nicht mein Ehemann, sondern ein Modell). Auch die Römer-Schwerter und die Dino-Versteinerungen gefallen. Nun noch im Biergarten in der Sonne „echte Männer-Cola“ für die Jungs bestellen, was ich zur Feier des Tages erlaube, und einen Cappuccino für mich und meinen Mann. Herrlich! Wie lange habe ich davon geträumt! Selbstverständlich muss man sich das Kinderkrakeelen im Hintergrund und die böse Oma-Blicke wegdenken. Aber es ist einfach stark, in der Sonne zu sitzen und Kaffee zu trinken! Nun nur noch durch den Sonntagsstau, dreimal zum Pieseln anhalten, das Geschrei von der jetzt höchst genervten Felicitas ignorieren, unser gewaltiges Gepäck ausladen, fertich…. Bleibt nur noch die Frage: Wieso bin ich eigentlich so müde nach einem erholsamen Wochenende?

Sonntag, 27. April 2014

Bird on the wire




Die Jungs gehen abends noch in den Garten spielen. Klingelklingel. Mario kommt: „Mama, Mama, Timmy hat einen toten Vogel angefasst!“ Verd…  (Kopfkino: Wie schaut der aus? Muss ich den jetzt auch anschauen oder gar anfassen?) Ich rase los. Timmy kommt mir strahlend im Treppenhaus entgegen und verkündet stolz: „Mama, Mama, ich habe einen toten Vogel angefasst!“  Anscheinend hat er ihn nicht mitgebracht (DANKE!). Barsch lasse ich den nun zu erwartenden Mama-Sermon los (keine toten Tiere anfassen, entsetzliche Krankheiten blabla etc.), hetze ihn ins Bad, Hände mit 3 Tonnen Seife waschen, irgendwo gab es doch noch so ein Desinfektions-Dings. Muss er es mit den Naturforscherexperimenten denn so übertreiben? Und wie schön, dass ich den Aufpasser Mario habe! Klingelklingel. Das Nachbarsmädchen kommt. „Timmy hat bei uns im Garten einen toten Vogel angefasst!“  Notiz am Rande: Dieser Satz gehört definitiv  auf die Liste der unbeliebtesten Sätze des Tages! Ich doziere noch mal aufgeregt herum, dass auf toten Tieren krank machende Bakterien sein können und dass man sie nur mit Handschuhen anfassen darf. Kurze Zeit später sehe ichTimmy mit Wollhandschuhen  an den Händen herumflitzen. Seufz….
Ist die Geschichte damit zu Ende? Am nächsten Tag fragt Mario, was ich da schreibe; also lesen wir die Geschichte zusammen durch. Mario hat dazu eine Ergänzung: „Timmy hat den Vogel nicht im Garten gelassen. ER hat ihn ins Treppenhaus mitgenommen.“ Ärggh… „Timmy, hast du den Vogel mit ins Treppenhaus genommen?“
„Nein.“
„Wirklich nicht?“
Mario mischt sich ein: „Hat er doch! Hat er!“
„Timmy?“
„Ich habe den Vogel aber wieder rausgetragen.“
Hm. Mario ist äußerst wahrheitsliebend, aber ich glaube jetzt das, was ich glauben möchte! Nämlich dass er sich in Luft aufgelöst hat!
Ist die Geschichte damit zu Ende? Kurze Zeit später ruft eine befreundete Nachbarin an. „Ich möchte Dich nur vorwarnen! Irgendein Verrückter hat einen toten Vogel auf dem Gepäckträger von Marios Fahrrad befestigt. Nicht dass die Kinder Angst kriegen.“ DAS glaube ich nicht. Ich bin diejenige, die keinen Fuß vor die Türe setzen wird, bevor das Tier weg ist.
Das Geheimnis einer langen Ehe sind ja Liebe und Zärtlichkeit. Gerade jetzt ruht mein Blick äußerst liebevoll auf meinem Ehemann. Jetzt muss ich mir nur noch rasch eine gute Überleitung von „Ich liebe Dich“… zu „Kannst Du bitte die Vogeleingeweide wegputzen?“ einfallen lassen….

Donnerstag, 24. April 2014

Im Schnepfen-Paradies


Timmy mag ja Tiere wie Frösche, Fische oder Schildkröten sehr gern und so nutzen wir die Gelegenheit, dass Mister-Darf-ich-jetzt-endlich-Nintendo-spielen nicht da ist (Osterferien bei Oma und Opa), um spontan in den Botanischen Garten zu gehen. Jetzt mache ich mal einen kleinen Exkurs dazu, wie viele Stunden man einplanen sollte, um „spontan“ einen Aufbruch zu organisieren. 11.29: Wir essen früh Mittag, dann könnte es klappen, dass wir vor Schließung des Gartens dort sind. Mein Mann gähnt. Er will einen Mittagsschlaf halten, ich eigentlich auch. Die Kinder nicht, d.h. wir tun so, als würden wir uns ausruhen, während Felicitas und Timmy munter auf uns herumspringen. Raffiniert wie ich bin, schleiche mich irgendwann davon und schlafe allein im Kinderzimmer. 13.11: Ich stehe auf und trinke Kaffee, denn ohne Kaffee geht’s einfach nicht. 13.21: Ich höre Felicitas bei meinem Mann herumkrakeelen (Timmy schaut hypnotisiert Sponge Bob) und lasse sie zu mir. 13.40: Ich sage meinem Mann, dass er sich fertigmachen soll. Aus irgendeinem Grund lässt Timmy von Sponge Bob ab und will essen. Ich gebe ihm einen Rest Buchstabensuppe. Felicitas will auch Buchstabensuppe. 14.00: Alle essen Buchstabensuppe. Timmy hat noch mehr Hunger, daher koche ich noch mehr Buchstabensuppe. 14.06:  Mein Mann meckert, weil ich jetzt Buchstabensuppe koche, statt mich für den Ausflug fertigzumachen. Die Küche ist mittlerweile voller suppiger Buchstabennudeln. Sicher genug, um daraus den Satz zu bilden: „Wir fahren in den Botanischen Garten.“  14.12: Ich bin fertig.  Mein Mann trinkt Kaffee und isst einen Keks. Die Kinder wollen jetzt auch Kekse. Danach wickle ich Felicitas und ziehe sie an, was schnell geht, da sie unbedingt raus will. Timmy ist heute eher leger gekleidet in schlabbriger Turnhose und verweigert weitere Verbesserungen seiner Garderobe, aber egal. 14.17: Hey, wir könnten jetzt gehen. Nur fällt mir jetzt das kleine Detail auf, dass mein Mann nackt unter der Dusche steht. Er sei aber so gut wie fertig, sagt er. Ich werfe eine Wasserpulle und eine Packung Kekse in den Kinderwagen.  14.27: Abmarsch. Unten in der Tiefgarage fällt mir auf, dass ich angesichts von Felicitas' Fluchtversuchen im Treppenhaus leider den Kinderwagen vergessen habe. Kurze Diskussion mit meinem Mann, ob man einen Kinderwagen braucht (das machen wir eigentlich immer, wenn wir irgendwohin fahren). 14.30: Ich bin wieder mit dem Kinderwagen zurück. Die Kinder sitzen angeschnallt im Auto (sehr gut!), mein Mann befindet sich in der Garage und fuchtelt mit den Armen herum. Ich soll kommen. Ich soll jetzt die Profiltiefe unserer Sommerreifen messen (Mann!). Ich kneife ein Auge zu und sage, alles super! Wie, alles super? Ich bekomme ein Schweizer Taschenmesser mit irgendeinem ausgeklappten Messteil in die Hand gedrückt und soll jetzt mal seriös und millimetergenau vorgehen. 14.35: Los geht’s!!!!
15.02: Ankunftszeit. Am Botanischen Garten wird am Eingang umgebaut. Es ist interessant zu beobachten, welche Leute, von denen man es gar nicht denken würde, dies nutzen, um ohne zu bezahlen hineinzugehen. Schickimicki, Sonnenbrilli. Zum Teil rufen sie sich noch lautstark zu: „Hier kontrolliert keiner!“ Timmy stellt fest: „Hier gibt’s ja ganz schön viele Omas.“ Indeed. Solche Locations mag ich eigentlich nicht. Denn ich weiß, anfangs lächeln sie noch freundlich, wenn sie Felicitas' goldigen Blondschopf vorbeihoppeln sehen, aber das ist schnell vorbei, wenn sie anfängt, hysterisch über die Tulpen herzufallen, was jederzeit passieren kann. Schönes Detail: Keiner von uns fällt in den Teich neben den Tulpen. Timmy ist von den Fischen und Fröschen schwer euphorisiert und rast fröhlich in der Gegend herum. Unbedachterweise  nähern wir uns jedoch irgendwann auf unserem Rundgang auf ca. fünfzig Meter dem Hügel, auf dem zwischen kleinen Steinchen irgendwelches Berggrünzeug wächst, das man nicht anlangen oder gar betreten soll. Jetzt weiß ich wieder mal, wie sich ein echter Spießrutenlauf anfühlt. Der Timmy-Man dreht nämlich vor Begeisterung endgültig durch und kann auch die Hinweisschilder nicht lesen. Wie eine Berggemse auf Speed zischt er quer über die mit dem kostbaren Grünzeug bewachsenen Felsen hinweg nach oben. Ich hinterher, muss aber wegen der Mini-Serpentinen natürlich einen weiteren Weg zurücklegen und greife nur in die Luft. Der Zeitpunkt, dass die Omas uns hassen und alle anderen Menschen auch, ist definitiv gekommen. Die Luft ist von den bösen Blicken zum Schneiden dick; Kopfschütteln, Gezeter, Gekeife. Die fröhlichen Zechpreller am Eingang mussten sich das sowas jedenfalls nicht gefallen lassen, denke ich verbittert. Was soll ich denn machen? Und wer sagt eigentlich den Gemsen und sonstigem Viechzeug in den Bergen, dass sie die doofen Halme nicht betreten oder auffressen sollen? Ich schreie spanische Flüche und kriege den Bergsteiger endlich zu fassen. Er ist aber einsichtig und rennt hinunter zum nächsten Teich, um die Enten, die Frösche und Fische anzuschauen. Leider ist währenddessen Felicitas verschwunden. Der Klassiker: Mein Mann dachte, sie sei bei mir, ich dachte, sie sei bei ihm, bzw. war mit Timmy-Fang beschäftigt. Also zurück ins Reich der Gemsen und bloody Omas. Wir finden Felicitas dort zum Glück schnell wieder. Timmy liegt derzeit bäuchlings auf einer kleinen Brücke und beobachtet die Wassertiere. Felicitas rennt an einem fotografierenden Opa vorbei zum Teich und ihrem Bruder. Timmy, ganz älterer Bruder, versucht sie davon abzuhalten, ins Wasser zu springen, was Felicitas ihm allerdings sehr übelnimmt. Ein wildes Handgemenge entbrennt. Felicitas kreischt wie verrückt. Die Omas, die ihre bleichen Gesichter auf den Bänken am Teich in die Sonne halten, gucken pikiert, wer hier so rumschreit. Na, wir!!! Also, mir reicht’s, Aufbruch, wir gehen. Die Kinder sind aber nach wie vor begeistert und rennen die Wege rauf und runter, Omis lächeln Felicitas' freundliches Kindergesicht an (jaja, ihr blöden Waldschnepfen, ich nehm euch gleich den Krückstock weg), die zum Glück an den Tulpen und Stiefmütterchen vorbeihuscht, ohne sie zu berühren. Alles in allem sind die Blümchen ja wirklich schön, aber puh: wir waren ja noch nicht mal in Vollbesetzung!

Mittwoch, 9. April 2014

Wenn die Katze aus dem Haus ist…oder: Die Spur führt von Scheri zu Mon Cherie



Ich habe einen wichtigen Termin am Abend und Papa muss allein mit den Kindern zurechtkommen. Als ich zurückkomme, leider schon recht zeitig, also bevor die Kinder schlafen, sieht alles toll aus. Der Fernseher läuft wider Erwarten nicht und die Kinder sind im Bad beim Zähneputzen.
Morgens jedoch finde ich einige interessante Spuren. Als ich auf dem Ipad den Wetterbericht aufrufen will, stoße ich auf die letzte Google-Suche „tom und scheri“ (Schon praktisch, wenn man in der Schule schreiben gelernt hat, gell, Mario?). Ein Hocker befindet sich in Einzelteile zerlegt auf dem Balkon (?). Jemand hat die Kirschwasserpralinen, die ganz oben auf dem Regal in der Abstellkammer versteckt waren und die ich für meine Großmutter gekauft hatte, geöffnet und eine gegessen (Es beruhigt mich ein bisschen, dass nur eine fehlt). Das Monopoly-Spiel, das Mario zum Geburtstag bekommen hat, und neben den Pralinen deponiert war, ist geöffnet; zwei Beutel mit kleinen Plastikhäuser finde ich auf der Küchen-Arbeitsplatte, den Rest im Kinderbett. Im Geldbeutel von Timmy befindet sich das zugehörige Spielgeld – die Beweiskette führt damit zum Täter Pralinenschachtel. Der Nintendo und einige Spiele sind auf dem Boden verstreut, ebenso Lollipapier von den Lollies, die ich oben im Küchenschrank aufbewahre. Auf dem Sofa liegen ein rosa Plüsch-Schwein und ein Hund, die ich beide ebenfalls in der Abstellkammer versteckt hatte.
Nun ja, es ging abends noch lange hoch her, aber das wundert mich jetzt nicht mehr.