Dienstag, 12. Mai 2015

Der Muttertags-Post



Ich sprech das Thema "Muttertag"  mal an. „Bald ist Muttertag…“ Mario hat in der Schule ein Herz gebastelt und ein Lied geübt. Das bekomme ich schon im Voraus vorgesungen. Timmy ist auch interessiert an Wohltaten für Mama, hat aber nichts. „Was willst Du denn haben?“, fragt er mich. „Äh, dass Ihr einen Tag lang brav seid und nicht streitet?“ Timmy überlegt, ein bisschen traurig. „Ich glaube, das schaffen wir nicht…“ Ehrlich gesagt, ich auch nicht. 
Wie wäre es mit Ausschlafen? Mario schlägt hellauf begeistert vor, ich solle bitte bis 11 Uhr schlafen (das letzte Mal Ausschlafen bis 11 war wohl anno 2006). Also, das ist so: Der Junge würde mich ja am liebsten das gesamte Wochenende über in ein künstliches Koma versetzen. Das liegt daran, dass ich gern ein Mittagsschläfchen halte und die Kinder währenddessen fernsehen/Nintendo spielen dürfen. Daher wird mein Müdigkeitsstatus gerne ausführlich beobachtet und kommentiert. (Samstag 10.01: „Liebe Mama, Du siehst so müde aus, willst Du dich nicht hinlegen?“, „Du bist ja ganz erschöpft, ruh Dich aus!“ etc. pp.). Felicitas hat das noch nicht so auf dem Schirm und weckt mich um 7 Uhr. Immerhin schläft sie dann wieder ein; beim 2. Wecken schicke ich sie zu Papa, dass er mir Kaffee kochen soll. Ich erhalte Pralinen!
Und gleich wird mein Ältester, der mich so gerne schlafen legt, sehr müde aussehen, denn Papa hat ein neues Hobby: Multiplikationstabellen. Gähn! Gähn! Gähn! Papa ist böse. Wenn Papa böse wird, gibt es erst mal sehr lange und von allen gefürchtete Vorträge zum Thema schulisches Engagement. Au Backe! Jaja, und ich mache da auch mal mit!

Da das Wetter mitspielt, will ich nun gern einen spontanen Ausflug in den Wildpark machen. Dass die Vorbereitungen immer relativ nervenzerfetzend sind und ich auch zu wenig Proviant habe, ist mir jetzt mal wurscht. Wasser, ein halber, in kleine Würfel geschnittener Kastenkuchen, 15 Gummibärchen in Elefantenform, ½ Packung Knäckebrot, 2 Doppeldeckerbrote mit Salami, 3 Doppeldecker mit Butter,  ½ Gurke, 5 Äpfel, 1 kleine Packung Kekse  - damit werden wir nicht hinkommen, der Kiosk ist dort mager bestückt, aber wird schon gehen.  Ich will raus in die Idylle. Wald, Tierchen!

Naja, das halbe Futter habe ich quasi schon am Eingangstor verfüttern müssen. Jetzt schauen wir uns mal Tiere an, oder? Wieso sitzt Timmy jetzt im Buggy und ist dort anscheinend festgewachsen? 

So wirklich weit kommen wir natürlich nicht, da ein Abenteuer-Spielplatz alle anlockt: Der Spielplatz ist sowas von idyllisch. Man kann unter schattigen Bäumchen im Grünen sitzen, während die Kinder stundenlang toben (was natürlich bedeutet: Da kommen wir nie mehr weg!). Mario und Timmy sehen wir nur gelegentlich. Felicitas muss man leider noch hüten – sie ist derart geflasht, dass sie nur noch wie ein ferngesteuertes Duracell-Häschen herumrast. Die  fünf Meter hohe Rutsche, auf die man über einen ziemlich tricky aussehenden Kletterturm hinaufsteigt, hat es ihr besonders angetan. Eine Mutter fragt mich interessiert: „Wie kommt so ein kleines Kind da überhaupt hoch?“ „Wissen wir nicht“, antworten wir wahrheitsgemäß. Können wir auch nicht, da Erwachsene mit den kleinen Öffnungen da so ihre Schwierigkeiten haben. Anfangs hatte ich die Brüder nach ihr geschickt, aber sie braucht anscheinend keine Hilfe, sondern ploppt in regelmäßigen Abständen aus der Riesenrutsche. Wir müssen allerdings schauen, dass sie im Getümmel nicht verloren geht.

Eine Sache klappt allerdings hervorragend: Zu dritt alleine Eis holen gehen. Hand in Hand kommen die drei zurück. Meine Preisvorstellung wird mathematisch exakt eingehalten und das bei drei verschiedenen Eissorten (geht doch!).

Ich habe trotzdem irgendwie den Hau, Felicitas von der Giga-Rutsche fortlocken zu wollen. Leider hatte ich die Gruppe mit Baggern übersehen, die von Kindertrauben und Eltern belagert wird. Das wird Zoff geben, und zwar mit den Eltern, die Bagger spielen, wie ich aus Erfahrung weiß – die Kinder ranzen sich kurz an und einigen sich dann, wer wann Bagger spielt, aber wehe, die Eltern sind dabei. Kurze Zeit darauf kommt mein Mann wutschnaubend zu mir (ja, wer hätte das geahnt, seufz): Ein böser Mann, der mit seinem ca. 1einhalb-jährigen Sohn, der natürlich nichts checkt, Bagger spielte, habe Mario angeherrscht, weil dieser dem Kleinen die ganze Zeit gute Ratschläge geben wollte: „Halt jetzt  die Klappe, das geht Dich nichts an!“ Gut, Knigge geht anders. Mein Mann schäumt. Merke: Meide Helikopter-Eltern am Spielplatz großräumig! Ich versuche lieber alle von diesen beschissenen Baggern wegzulocken, von mir aus zur nächsten 10-Meter-Rutsche. Irgendwohin, wo kein Helikopter kreist.

Also, da jetzt plötzlich alle Pipi müssen, versuchen wir im Zuge dieser Aktion unauffällig, den Heimweg anzutreten, für den wir eh einige Stunden einplanen müssen. Stimmt auch, wir geraten in die absolut faszinierende Raubvogelschau. Und dann noch auf einen faszinierenden Erdhügel, auf dem man rauf und runter rennen kann. Ich pfeife alle zurück. Wir treffen dann Freunde von uns mit ihrem kleinen Sohn, die uns von einem absolut faszinierenden Wasserspielplatz berichten. Danke für den Tipp, den müssen wir unbedingt großräumig meiden! Oder ich nehme mindestens 69 Wechseloutfits für Felicitas mit – das wäre ein Spaß, zwei schadenfrohe Brüder und ein Mädchen, das „Umziehen“ heult, wenn ein kleiner Wassertropfen ihre Kleidung benetzt!
Timmy und sein kleiner Freund spielen gefühlte drei Stunden begeistert an der Erlebnisstation „dreckiger Rinnsal ohne Bedeutung“. Die Frage ist: Werden unsere Freunde einen Adoptivsohn bekommen oder können wir Timmy irgendwie weglocken? Anscheinend hat er genug, er kommt freiwillig.
Zuhause Küchenschlacht. Kinder abfüttern. Dann: Erwachsene haben ja so eine negative Eigenschaft wie ein Monstergedächtnis. Mein Mann reitet wieder sein Steckenpferd Multiplikationstabelle. Hopp! Hopp! Hopp! Mario gähnt und will Frischluft. Irgendwann lassen wir die Jungs wieder raus. 7 Stunden Auslauf sind nicht genug, das sehen wir ein. In abendlicher Dämmerung sehe ich plötzlich einen Freund von Timmy im Garten. Kurze Zeit darauf ist Timmy weg. Mario – Stichwort Multiplikationstabelle – ist sehr erpicht darauf, seinen geliebten Bruder zu suchen. Ohne den Namen und die Adresse des Freundes zu kennen, aber man kann es ja mal probieren. Vorhersehbares Ende vom Lied: Alle Jungs sind weg. Ich gehe los und gable Timmy wieder auf, allerdings ist nun Mario verschwunden. Ich gehe mit Timmy los (damit der nicht irgendwie auch noch wieder unauffällig verschwindet) und suche ihn. Meinem Mann raucht es mittlerweile 5x3-fach aus den Ohren. Eine Dreiviertelstunde später habe ich alle endlich wieder eingefangen.  Drei Kinder sind putzmunter, natürlich, wir nicht. Wie immer. Aber schön war’s trotzdem!

Mittwoch, 6. Mai 2015

Sport mit Kindern oder „Das Wasserlabor“



Spontanbeschluss von Timmy: Mama braucht heute wieder Training! „Äh Timmy, nach dem Essen soll man eigentlich ein wenig warten…“, sage ich mit der Gabel in der Hand. 60 Sekunden später: „Wann kommst Du endlich?“
Nun gut, da mein Leben anscheinend immer nach dem „Jetzt oder nie“-Prinzip läuft, renne ich halt mit voller Plauze. Versuche immerhin, möglichst viel Zeit beim Umziehen herauszuschinden. Bis wir Felicitas abgehängt haben, dauert es auch noch. „Mama, ich gebe Dir noch einen Kuss. VOR der Haustür.“ Ok, Küsschen. Dann: „Mama, noch eine Frage …“ Das geht dann meist eine Weile über Themen der aktuellen Philosophie, oder sie rennt einfach so davon. Aufgrund schlechter Erfahrungen hat Timmy bereits darauf geachtet, dass ich den Fahrradschlüssel zu seinem Fahrrad immer in den Schlüsselkasten hänge, so dass es da keine weiteren Verzögerungsmöglichkeiten mit Suche nach dem Schüssel gibt. Denn er will mich jetzt vom Fahrrad aus triezen.
Ich stelle mir vor, wir drehen eine kurze Runde, ist ja auch recht schwül heute … Timmy tritt bereits eifrig in die Pedale:„Wir fahren zum WASSERLABOR!“ Wasserlabor? Das so genannte Wasserlabor ist im Tempo Mama-Rennen EINFACHE STRECKE 25 Minuten entfernt! Es handelt sich dabei um einen ungeheuer einsamen Waldweg, der sich bei Regen in eine morastige Schlammhölle verwandelt. Ein Traum, mit dem Fahrrad da durchzusausen! Lohnt sich auf jeden Fall!
"Timmy, der Regen ist vorbei, das Wasserlabor ist wahrscheinlich schon weg.“ Trampel-Trampel. „Macht nichts!“, erschallt es fröhlich.
Kurz schöpfe ich Hoffnung, als Timmy auf einen abzweigenden Waldweg zeigt, der NICHT zum Wasserlabor führt und den er anscheinend auch ganz gut findet. „Wenn Du willst, gehen wir dort lang!“
 „Nein, ich will keinen neuen Weg!“ Das Wasserlabor ist immerhin so aufregend, dass Timmy den etwas trickreichen Weg jederzeit ohne Probleme findet.
Nur ungern verzichte auf die Komplettreinigung unserer Montur samt Fahrrad, aber leider … Das Wasserlabor ist jetzt ungefähr nur 35 cm lang und 2 cm tief. Wir geben alles, aber es läuft nicht so wie gewünscht, auf diesen Schock war Timmy als reifes Vorschulkind allerdings vorbereitet. Auch dass ich eine Super-Attacke bergauf ablehne, wird gefasst, wenn auch tadelnd aufgenommen. Ich darf aber auf dem Gymnastikplatz eine Pause machen (wenn ich Bauchmuskelübungen mache, da mein Bauch ja so voll war), während er Spezialrunden fährt.
Im Gegenzug muss ich unsere Runde allerdings verlängern (!) und eine belebte Straße einschlagen, auf der wir sicherlich drei Millionen Bekannte treffen. Die zwischen Mitleid und Bewunderung schwankenden Grinser für die schweißüberströmte Joggerin sind ja immer schon Gold wert, aber heute ist Jackpot-Tag, wir treffen Timmys Erzieherin, die mich trotz meines leicht derangierten Looks auch noch erkennt (das ist nicht immer gesichert, wenn ich ohne eine Kindermenge um mich unterwegs bin). Und dann noch eine unserer Nachbarinnen, die sich bei den Kindern einen Grusel-Respekts-Status erarbeitet hat, da sie den Fernseher in den Keller gebracht hat. Haha, das könnte Euch auch blühen, meine LIEBEN!!!! Und zwar sehr BALD!
Ich komme mit hängender Zunge nach Hause. Halligalli! Diskussion, ob Mario und Felicitas in Timmys Abwesenheit fernsehen durften oder nicht (wurde nicht restlos geklärt, da alle Beteiligten die Aussage verweigerten). Ob ich alleine duschen darf oder nicht, wird leider nicht diskutiert, denn Felicitas und Timmy sind schon vor mir in der Wanne.
Danach undefinierbares Kampfgeschehen. Sämtliche Decken befinden sich plötzlich aus unerfindlichen Gründen im Wohnzimmer. Papa ist sauer und droht den Fernseher in den Keller zu bringen (haha). Ok, wir lesen jetzt mal zur Beruhigung Bücher. Etwas überhitzte Diskussion, wessen Büchervorschlag der Beste ist. Dann Geheule, weil wir ein Buch über MENSCHEN angesehen haben, in dem Menschen mit komischen Halsringen gezeigt wurden. Lachende Menschen. Timmy weint sehr laut darüber. Was sind denn das für Halsringe? Und wie gehen die wieder auf? Was, Tätowierungen bleiben für immer und das macht man mit Nadeln? Heul! (Bitte, lieber Gott, lass ihn das im Gedächtnis behalten!)
So meine Lieben, Schluss damit. Jetzt kommen Geschichten aus meiner Jugend. Ich rede mal über Haustiere. Tiere sind doch immer nett, oder? Irgendwie mündet das aber in einer ethischen Diskussion, ob ein Hund schuldig ist, vor ca. 25 Jahren einen Vogelkäfig umgeworfen zu haben, was die anschließende Flucht der Wellensittiche zur Folge hatte. Felicitas fasst das Ganze korrekt zusammen: „Die Vögel sind weg!“ Richtig. Und zwar schon sehr lange. (Weiterer Exkurs über kulinarische Kostbarkeiten Lateinamerikas und die „am meisten vermissten“ dortigen Fernsehsendungen, dessen Ursprung ich irgendwie nicht mehr unter Kontrolle hatte.)
Um 21.50 schläft wie immer – niemand. Weil ich immer so thrillende Geschichten erzähle. Oder weil… keine Ahnung. Es ist halt so wie jeden Tag.
Wir müssen morgen wieder laufen, am bestem zum Wasserlabor. Und zwar dreifach. Vielleicht ist ja dann mal jemand müde. Außer mir, meine ich.

Samstag, 2. Mai 2015

Mamas Schlankheits-Tipps



Also, eigentlich frage ich mich, warum wir Mütter immer so gern über unser Gewicht herumjammern nach dem Motto „Schwangerschaft vor 27 Jahren und immer noch 20 Kilo zu viel“. 
Dabei gibt es mit Kindern doch so viele schöne Möglichkeiten zur Gewichtsreduzierung! 
Beispiel: Ich trage mein Essen auf. Lecker! Ich freue mich schon, auch wenn es nur etwas von mir Gekochtes ist. Vor mir steht mein Tellerchen mit dampfender Linsensuppe.

„MAMA!“

„Was ist? Ich esse gerade!“

„MAAAMAAA!“

„Glei-heich!“

„MAAMAAA! Ich glaube, ich habe einen schrecklichen Virus.“ (Was will mir mein Kind mit diesem medizinischen Vokabular genau sagen?)

„Was für einen Virus denn?“, frage ich mittelmäßig interessiert. Dem Lärmpegel nach sind alle guter Dinge.

„Ganz viel Durchfall! Bitte komm!“

SCH. … Ähhh gut. Irgendwie hab ich gar keinen Hunger mehr.

Oder: Ich trage mein Essen auf. Lecker! Ich freue mich schon …. Felicitas klettert auf meinen Schoß. Das nervt mich schon ein bisschen, da ich gerne ALLEIN esse, ohne dass jemand in meinem Teller herumpult, aber gut. HATSCHI!!! Spaghetti al aglio e rotzo. Guten Appetit!

Oder nehmen wir mal die Ernährungssünden Nummer Eins wie zum Beispiel Chips, die wir uns ab und zu gönnen. Schwierig, da wieder mit dem Essen aufzuhören? Für mich nicht! Eine Horde Aasgeier flattert schon außenherum – da, da, ganz oben auf dem Schrank, da liegen doch CHIPS! Habt Ihr gesehen, Chips! CHIPS! Jeder Diätratgeber würde jubeln: Ja, gönnen Sie sich mal was! Essen Sie genüsslich 5 Gramm Chips! Mehr kriege ich auch aus der pulverisierten Chipstüte garantiert nicht ab. Ja, ich muss sagen, das ist in der Großfamilie echt praktisch. Die Riesentüten passen ziemlich genau, dass man ohne Bedenken loslegen kann.

Und ja, die zweite Säule neben Ernährung: SPORT! Man muss einfach nur das Richtige finden. Ja, ich muss ehrlich sagen, mein Hauptsport Gewichtheben flasht mich nicht allzu sehr: Ich streike schon ab einem Kindergewicht über 25 Kilo! Und vielleicht war mein Ansinnen neulich, mit Felicitas im Buggy den Einkauf zu bestreiten, ein wenig übertrieben. Kind, Buggy (mit zwei Schirmen, Fahrradhelm und Regenplane dekoriert) brechend voll, links und rechts zwei Einkaufstaschen, hinten ein Rucksack…. Dann noch mit dem ganzen Zeug in den Kindergarten und Timmy abholen… Naja, muss man nicht haben.

Aber an einem verregneten Samstag joggen gehen? Schwierigkeiten, vom Sofa loszukommen? Nun ja, habe ich eher nicht: Hier herrscht ein Geräuschpegel wie im Affenstall, das Projekt „aufgeräumte Wohnung“ ist mit nur zwei Erwachsenen nicht zu bewältigen (wo ist das professionelle Aufräumkommando?), Mario dazu zu bewegen, seine Hausaufgaben zu machen, ist, als ob man einen Felsblock mit bloßen Händen verschieben wollte (also eine schöne Aufgabe für Papa), mich lockt die Ruhe und Stille im emsig schüttenden Dauerregen. YES! Das Chaos ist so arg, dass ich sogar bereit bin, den Timmy-nator mitzunehmen - UND er darf Rad fahren (kurze Schleife mit Suche nach dem Fahrradschlüssel, kurze Schleife mit falschem Fahrradschlüssel, kurze Schleife mit Nervenzusammenbruch, kurze Schleife mit misslungenem Fahrradfahrversuch mit Marios Fahrrad, kurze Schleife mit … YEAH! Schlüssel für Timmys Fahrrad ist da!). Timmy fährt happy neben mir her, ohne Genörgel und Kommentare, gut, er schlägt am Schluss noch ein paar SUPER-ATTACKEN heraus  (also full speed für mich), aber wir laufen/fahren friedlich über aus naheliegenden Gründen menschenleere, aber schön ergrünte Wiesen und Wälder. Ach, wir laufen einfach noch ein wenig länger… und noch ein bisschen länger….

Donnerstag, 23. April 2015

Ehe im Kinderreich



Also, ganz ehrlich, mit Kindern wird die Partnerschaft nicht einfacher. Insbesondere mit ein bisschen viel Kindern. „Das war doch Deine Idee.“ „Meine? Und Du?“ „Hätte nicht eins gereicht?“ „DU wolltest doch…“  „Nein, Du!“ „Ich will endlich mal SCHLAFEN, FERNSEHEN und CHIPS essen!“ „Ich doch auch!“ (plötzlich erscheinendes Kind im Hintergrund: "Wo sind die CHIPS? Hallo, habt Ihr gehört, kommt alle her, wir kriegen Chips!!!! Dürfen wir dazu noch FERNSEHEN?“ – „Kann ich dann lieber auf dem Ipad spielen?“ – „Ich will aber Lillifee!“ – „Lillifee ist TOTAL blöd!“ – „Nein! Du bist blöd!“ – „Du bist ein Wildschwein!“ „Paff! Peng!“ – „Timmy hat Felicitas geschlagen!“ – „Stimmt gar nicht!!!!“ „KREISCH! Stimmt doch!“ „Felicitas hat MICH an den Haaren gezogen!“ – „Das STIMMT! Felicitas hat Timmy an den Haaren gezogen!“ – „Stimmt gar nicht!“).
Ihr seht, solche Diskussionen solltet Ihr ganz dringend vermeiden! Deshalb führen wir solche auch niemals – schon aus Angst vor der Chips-Fernsehen-Diskussions-Lawine, die dann über uns hereinbrechen wird. … Abgesehen davon, dass das ein klein wenig an der Realität vorbeigeht. Aber gut, man kann sagen, bei Eltern von drei Kindern, die damit auch grundsätzlich sehr zufrieden sind, ist eine gewisse Realitätsferne ja durchaus angebracht.

Interessant ist auch folgendes Phänomen: Eigentlich ist Selbstkritik ja doch unter Erwachsenen gar nicht mal so selten, solange es nicht zu arg wird („bin zu ungeduldig, aber nicht cholerisch/unsportlich, aber nicht fett/unengagiert, aber irgendwie doch interessiert am Weltgeschehen“ etc.). Allerdings gibt es einen Bereich, der im Normalfall komplett ausgeklammert wird. Es gibt niemanden auf der Welt, der sich für doof hält. Selbst die größte Knalltüte unter der Sonne zeigt gern mit dem Finger auf eine – angeblich –  noch größere Knalltüte.

Bei Eltern ist hingegen stellt man doch eine gewisse Umkehr fest, ja geradezu eine Wettbewerbssituation zwischen den Elternteilen, wer die hohlste Nuss von beiden ist und dies auch noch glaubwürdig bekunden kann. Nein, ich bin zu doof, um den Überblick über all die Kinderorga zu behalten – oder gar einen Stift zu bedienen, um diese in den Familienkalender einzutragen, mach Du mal. Wie hieß eigentlich dieser Kinderarzt überhaupt? Was war dessen Sinn und Zweck noch mal? Äh, Du hast doch immer so schön dieses mysteriöse Salz in den Geschirrspüler eingefüllt, ich krieg das mit meinen linken Händen auf keinen Fall hin, mach Du mal. Waschmaschine? Da ist Wäsche drin? Ach so, muss einem ja jemand erst mal sagen. Ich dachte, die macht das alles allein. Keller aufräumen? Hab die Nummernkombination des Schlosses vergessen, mein Gedächtnis lässt auch immer mehr nach, geh Du bitte runter, ja und nimm bitte diese ganzen Kinder auch mit. Drei Stück sind es, glaube ich. Bleibe so lange unten, wie Du willst (bitte nicht unter zwei Stunden, sieht ziemlich chaotisch aus da unten). Wie kommt es eigentlich, dass diese Kinder ständig Geburtstag haben? Und andere Kinder auch noch? Wie jetzt, die brauchen ein Geschenk?

Ich muss sagen, das machen mein Mann und ich echt gerne! Ein super System zu absolut partnerschaftlicher Arbeitsteilung! Psychologisch auch schön: Beide sind zufrieden: Haha, wieder mal mit der Nummer durchgekommen! Bzw.: Ich lass ihn/sie mal in dem Glauben, dass ich ihm/ihr das abnehme – ist auch egal, machen muss ich es so oder so. Schöner Nebeneffekt: Bei den Kindern funktioniert das auch! Tja, Mario, sehr gerne würde ich Dir Deine komische Spielkonsole anmachen und Du dürftest auch mindestens zwei Stunden damit spielen, aber ich weiß gar nicht, wie das geht, das kann nur Papa!  – Kann ich doch selber! Jubel! – (Verdammt!) Äh, das Kabel ist weg, das hat Papa im Keller und die Nummernkombination ist mir jetzt gerade entfallen … /Du willst das 1000-teilige Puzzle zurück, dessen Teile die letzten sechs Monate hier herumlagen? Äh, keine Ahnung, wo das ist, das hat Deine Mutter versteckt – sie hat gar nicht gut geklungen dabei – und die ist nicht da!

Tipps von „erfahrenen“, aber anscheinend kinderlosen Psychologen hingegen sind für uns etwas schwierig umzusetzen. Gehen Sie mal zusammen aus! Bleiben sie ein pseudo-kinderloses Paar! Ich meine, ok, infolge der neuesten Kindergelderhöhung von 4 Euro pro Kind haben wir jetzt bald 12 Euro im Monat zum Versaufen, also 6 Euro pro Nase. Reicht leider nicht für eine U-Bahn-Fahrt in die Stadt PLUS Getränk, also heißt es fahren ODER saufen, aber liebe Eltern: wozu gibt es Aldi-Bier und Parkbänke? Oder gönnen Sie sich mal ganz experimentierfreudig einen Alcopop aus der Dose! Sehr verlockend  – aber bedauerlicherweise bräuchten wir zur Beachtung des Tipps nun einen Babysitter. 
Eine Anzeige zur Suche desselben würde ungefähr so aussehen: „Wir suchen zur abendlichen Betreuung unserer Kinder einen idealerweise leicht schwerhörigen Judokämpfer mit schwarzem Gürtel, der aber auch ganz schön kuschelig sein soll. Vorteilhaft wäre, wenn Sie über ein rosa Prinzessinnengewand und/oder ein grünes Froschkostüm verfügen würden. Ihre Aufgabe ist vor allem, das akute Kampfgeschehen zu reduzieren und die Verwüstung unserer Wohnung zu unterbinden. Star Wars-Schauen ist übrigens – auch wenn anderes behauptet wird – verboten. Die Kinder zum Schlafen zu bringen, wird Ihnen nicht gelingen und Sie werden unsägliche Qualen erleiden, aber trotzdem viel Glück!“ Tja, komischerweise klappt das irgendwie nicht.

Aber das geht auch anders! Man hat doch einen Ehepartner, der als kostenloser, einigermaßen erprobter und leidensfähiger Babysitter parat steht – also: ALLEIN ausgehen!!! Da kommt es meist zu einer fulminanten IQ-Steigerung und rasch sind die letzten 2634 familiären pädagogischen Top-Leistungen auswendig heruntergespult, Ehepartner nickt erschöpft, und schon geht`s los zum Elternabend! Es ist halt ein klitzekleines Manko, dass dort weder alkoholische Getränke noch Schnittchen gereicht werden und das Unterhaltungsprogramm auch als etwas ausbaufähig zu bezeichnen ist. Naja, dann denkt man sich den Caipi halt dazu, bei dem gemütlichen Ambiente aus buchenholzfarbenen Holzstühlen und -bänken und schlauen Lehrerkommentaren im Hintergrund fällt das ja nicht schwer. Aber es gibt da eine ganz fiese Falle: Das vergnügliche Beisammensein könnte beendet sein, bevor die Kinder im Bett sind. Das ist sogar relativ wahrscheinlich (ich sage nur Star Wars etc.). Und so kommt es auch. Drei Kinder sitzen gebannt vor dem Fernseher. „Wo ist eigentlich Euer Papa?“ Drei Zeigefinger zeigen auf das Sofa samt ermattet schlafendem Krieger. Wo ist eigentlich der Babysitter des Babysitters? Oder: Wer sittet hier wen?

Ach ja, Ihr fragt Euch jetzt: was machen wir dann mit den 12 Euro pro Monat bzw. 18 Euro ab 2016, nachdem es uns nicht gelungen ist, sie zu versaufen? Kommt es jetzt zum Äußersten und wir müssen sie den Kindern geben? Nein, meine Lieben, natürlich nicht. Die sind ja schon verplant für die Erhöhung der Kinderbetreuungskosten, die auch ein klein wenig höher ausfällt. Aber macht nichts, wenn wir die 18 Euro schätzungsweise 5-10 Jahre lang ansparen, haben wir das auch wieder drin. Und dann brauchen wir gar keinen Babysitter mehr und versuchen es einfach noch mal mit dem Versaufen. Versprochen, Herr Schäuble. Vorfreude ist die schönste Freude!

Montag, 6. April 2015

Väter und Söhne oder: Das Mädchenzimmer

Der reale Papa heutiger Zeit: von Ehefrau wird er gerne „mein 3./4. (oder beliebige andere Zahl einsetzen) Kind“ genannt. (Klar, ursprünglich haben wir mit ganz anderen Vorstellungen angefangen …).
Selbst in intaktesten Familien- und Eheverhältnissen träumt frau doch hin und wieder… alle zwei Wochen ein kinderfreies Wochenende… herumgammeln, ausgehen, ausschlafen, wie schön wäre das denn?
Welcher Kindergarten, welcher Sport, welcher Kinderarzt? Mama recherchiert, forscht, befragt andere Mütter, schläft mindestens drei Nächte nicht. Mann gefragt: Mach Du mal (Hauptsache, das Kind ist verräumt!).
Ach ja, noch ein Wort zum „großen Erfolg des Elterngelds für Väter“. Viele Väter nehmen ja auch zwei Monate Elternzeit. Juhei! Ein unglaublicher Erfolg der Familienpolitik, jubeln die Politiker aller Parteien unisono. Realitätscheck: Ungefähr 95% (geschätzt) nehmen diesen gleichzeitig mit der Mutter – um dann Marathontraining zu absolvieren, Boote zu bauen, Briefmarkensammlung zu vervollständigen, etc. pp. Es wäre durchaus interessant zu wissen, wie viele Väter ALLEIN Elternzeit nehmen – eine Zahl dazu ist mir nicht bekannt. Gefunden: Expertise „Vaterschaft und Elternzeit“ (im Auftrag des Bundesministeriums für Familie und Sonstige Unnütze Existenzen alias Senioren, Frauen und Jugend), die sich nicht zu dumm ist, an 60 Tagen begleiteter Fern-Kinderbegutachtung einen gelehrten Aufsatz mit drei Milliarden aufgeblasener Fremdwörter über die wichtige Rolle der Väter aufzuhängen, den ich leider deswegen auch nicht lesen will. Vielleicht tue ich dem Ganzen unrecht, aber das mach ich jetzt halt einfach mal.
Ja doch, die Männer fehlen. Sie fehlen in der Kinderkrippe, sie fehlen im Kindergarten, sie fehlen in der Schule. Wenn dort lustige Kurse angeboten werden à la „Wir gestalten den Schulgarten“ oder „Wir fertigen liebevolle Prinzessinnen-Gemälde für das Gebäude an“ statt „Kickboxen extrem“, „Knallharte Helikopter selbstgebaut“, oder „Male den Kampfcomic Deines Lebens“, dann braucht man sich nicht wundern, dass die Jungs nicht darauf einsteigen. Allerdings ist das absolut die falsche Frage. Ich kann nicht verlangen, dass Männer auch gleichberechtigt mit 50% einsteigen, wenn selbst die leidensfähigen Frauen diesen Job nicht mehr machen wollen/können. Mittlerweile bin ich über die Sportkurse ganz froh: Da treten noch echte Männer auf! Und heiliger Strohsack, das hört sich ja an wie ein Schwerverbrecher-Bootcamp – bei dem möchte ich ja nicht „entspannende Körperwahrnehmungs-Gymnastik für unsere Problemzonen“ machen! Aber für meine Söhne – sehr gut! Endlich spricht mal jemand eine Sprache, die sie verstehen! Und: Sie sind überglücklich und hochmotiviert dabei!
Aber sind wir nicht alle gleich? Gleichberechtigung und so? Nein, sind wir nicht. Wir sind nicht gleich und wir sind nicht gleichberechtigt. Man kann sich natürlich fragen, woran das liegt, dass sich Jungs so wenig für rosa Spitzen-Handtäschchen und Barbie-Pantoletten interessieren, ist aber im derzeitigen gesellschaftlichen Umfeld so (naja, sobald man sie jemandem wegnehmen kann, der dann heult, ist das natürlich anders!).
Einen zusätzlichen Schub erhält die Geschichte durch die extreme Uniformierung der Geschlechter – Mädchen in Rosa-/Rot-/Pink-/Lilatönen zu kleiden, Jungs in allen möglichen Tarnfarben, vermutlich befeuert durch den Wunsch der Industrie, Eltern, die sowohl Jungs als auch Mädchen haben, möglichst alles doppelt zu verkaufen. Unterhosen, Socken, Fahrräder, Shampoo - selbst Legobausteine gibt es in rosa Schächtelchen. Selbstverständlich begrüße ich die absolut megageile Perspektive, statt auf 1000 sogar auf 2000 herumliegende Legobausteine treten zu dürfen (die wohlgemerkt von meinen SÖHNEN herumgeschmissen werden). Schreibe ich mir gleich auf meinen nächsten Weihnachts-Wunschzettel. Der absolute Knaller allerdings war für mich das „Kids-Menü“ in einem großen Freizeitpark, zu dem es eine Spielfigur dazu gab. „Junge oder Mädchen?“, wurde ich gefragt. Äh… was ist denn das??? Na, das muss ich sehen, ich nehme beides. Also, das „Mädchen“ war ein (anscheinend männlicher) Violinspieler und der „Junge“ ein Ritter mit Schwert. Ich bin mir allerdings sicher, dass Felicitas
 ihren Geschwistern genauso gern den Kopf abschneiden will wie die anderen…. Tja, schade, aber hau ihnen halt eins mit der Klampfe auf den Schädel, geht doch auch.
Bedingt durch die Tatsache, dass ich als Erstes zwei Söhne hatte, ist mir die komplette Rosa-Beplüschung unserer Wohnung erspart geblieben (dafür habe ich ja den Lärm und den Dreck … äh genauer betrachtet finde ich rosa Plüsch eigentlich ganz klasse, der schluckt vielleicht auch ein paar Dezibel), und auch kleine Fluchten aus der radikalisierten Geschlechtertrennung sind immerhin möglich. Ich erinnere mich sehr gerne an die wilde Keilerei, die sich am letzten Muttertag für mehrere Stunden um ein Paar vererbte neonpinke Plastikclogs Größe 30 entbrannte - mit drei beteiligten Kindern, von denen kein einziges aktuell Größe 30 trägt, aber egal! Diese Clogs sind Dauertrend. Anscheinend sind die irgendwie cool (Es ist mir bekannt, dass ich keinerlei Kompetenz auf dem Gebiet des Coolseins besitze, daher hinterfrage ich dieses für mich mysteriöse Phänomen auch nicht). Unvergessen ist auch die künstlerische Installation „Barbie auf Baseballkappe“ (Klebearbeit), angefertigt von meinem Ältesten.
Aber vielleicht ist die Geschlechtertrennung genau das Richtige. Dachte ich mir eines genervten Tages und ernannte ein Zimmer kurzerhand zum „Mädchenzimmer“ (also für mich und Felicitas). Grundregeln: Hier ist Rülpsen und Furzen streng verboten, man darf nur mit gewaschenen Händen und geputzten Zähnen hinein. Selbstverständlich putzen sich alle Jungs hier die Zähne, reihten sich artig in die Schlange ein und wollten auf unseren Prinzessinnenbetten nächtigen. „Wir furzen nicht. Die ganze Nacht! Wir versprechen es!“ Nächster Versuch: „Mama, es gibt eigentlich keine Mädchenzimmer.“ „Doch, das gibt es. Geht raus zum Furzen.“ „Es gibt keine Mädchenzimmer, genauso wenig wie Mädchenfarben.“ Merke: Wenn die Jungs was wollen, was uns Mädels gehört, klappt das auch ganz schnell mit der Gleichberechtigung, gell…
PS: Hatte vergessen zu erwähnen, dass auch Schwertkämpfe im Mädchenzimmer verboten sind.
PPS: Ebenso Kickboxen.
PPPS: Würgen auch!
PPPPS: ….
Schnarch… pups…. Schnarch….