Sonntag, 1. November 2015

Schule



Also, meine Lieben, Schule. Mittlerweile habe ich mich komplett in das Thema Zahlenpyramiden und Rechendreiecke eingearbeitet und freue mich auch schon sehr auf das Thema Integrale, obwohl das noch in weiter Ferne liegt (denke ich, vielleicht macht man das jetzt in der 4. Klasse, who knows?),  denn da bin ich mir todsicher, das mal sehr gut beherrscht, aber absolut vergessen zu haben. Schreiben kann ich auch schon ein bisschen. Juhei! Ich bläue dem Drittklässler ein, was offene und geschlossene Silben sind (frage ich mich insgeheim: wozu braucht man das? Habe ich das jemals … äh, hallo, liebe Mamacita, das war im Kontext Schule also wirklich die falsche Frage, bitte SOFORT abgewöhnen). Heimat- und-Sachkunde-Unterricht. Im Grunde ist das ein Geheim-Fach, weil mein Sohn aus unbekannten Gründen die Bücher und Hefte immer in der Schule lässt und es auch konsequent NOCH NIE erwähnt hat. Aber WIR sind ja schlaue Füchse, und wissen trotzdem, dass es dieses Fach gibt. Die Lehrerin hatte am Elternabend das Thema „Wald“ erwähnt und wir nehmen ihn ins Kreuzverhör. Er gibt zu, von den Baumarten Tanne und Fichte schon mal gehört zu haben. AHA! So, jetzt heißt es Grünzeug googlen. Also, was war noch mal was? Welches Kraut nimmt man für den Weihnachtsbaum? Kann doch nicht so schwer sein… Und zur Krönung unseres Kinderquälprogramms bestellen wir uns heimlich das HSU-Schulbuch! Und wenn das jetzt nicht binnen drei Sekunden auswendig gelernt ist, muss er es von seinem Geld bezahlen – kleiner Scherz, der sich aber gelohnt hat.
Sohn 2 Timmy hat in der ersten Klasse ja noch Schonfrist. Er hat allerdings ein neues Hobby entdeckt. Die Langeweile in der Schule ist anscheinend so quälend, dass er sein Hausaufgabenheft von unten bis oben und vorne bis hinten mit Höhlenmalereien bedeckt hat, ebenso seine Kleidung (geht zum Glück alles wieder raus). Schönschrift sieht auch anders aus. Aber mir wird eins klar: Wenn ich dreimal diesen ganzen Bimbam durchmachen muss, DREHE ICH DURCH! Ich setze Sohn 1, Mario, auf ihn an. Der nimmt sich Timmys Schulranzen gründlich vor: „Hier sieht es ja aus wie im Schweinestall! Ich zeige Dir, wie man ihn aufräumt!“ – „Die Hausaufgabe musst Du noch mal machen, total geschmiert ist das!“ (Jahrelang sah man in Marios Ranzen verrottende Papier-Orangenschalen-Bleistiftspitz-Installationen, gepaart mit eselsohrigen fettbefingerten Altpapierhaufen, doch kaum eröffnet sich die herzerquickende Aussicht darauf, den Bruder zu belehren, ist das so herrlich! Und sein eigener Schulranzen sieht auch irgendwie GUT aus).
Rückblende (ungefähr 500 Jahre): Ich bin ja selbst auch schon mal zur Grundschule gegangen. Erinnere mich nicht, jemals Hausaufgabenhilfe erhalten zu haben. Verklärung der Vergangenheit? Meine Mutter erklärte mir dazu schlicht: Das kannte ich nicht, dass die Eltern Hausaufgaben machten, ist mir also nicht eingefallen. Was für ein idyllischer Zustand! Ähnliches erzählen mir übrigens viele Jetzt-Eltern, die gramgebeugt wegen der Knechtung durch Hausaufgaben durch das Weltgeschehen wandeln. Wie das kommt? Keine Ahnung! Wenn ich’s herausgefunden habe, sag ich’s Euch!
Rückblende (ungefähr 1000 Jahre): Meinen (generell überaus friedfertigen) Papa befragt. Angesichts der schulischen Erfahrungen mit meinen Söhnen schwelgt Opa in Erinnerungen an Rohrstock und Backpfeifen (Frage: Kann man die bei Ebay oder direkt beim Kultusministerium bestellen?), die ihn direkt aufs Gymnasium katapultiert hatten. Das waren ja damals noch Sitten, kaum zu glauben. Aber Sprüche à la „Seid froh, dass Ihr …“ usw., kann man sich natürlich sparen. Nicht, dass wir sie uns verkneifen könnten, dazu ist die Versuchung doch zu stark.
Bin aber echt froh, momentan Ferien zu haben…

Mittwoch, 23. September 2015

Schulanfang: Was kommt in die Schultüte?



Sohn Nummer 2 ist jetzt ein Schulkind! Seine Vorfreude konzentriert sich hauptsächlich auf ein Objekt: die Schultüte, auch ZUCKERTÜTE genannt. Die hat Mama schon gemeinsam mit ihm und Felicitas im Kindergarten gebastelt, d.h. Mama hat sich an der Heißkleberpistole heiße Daumen geholt und einen gemeinschaftlich ausgeschnittenen Fußballer daraufgeklebt. Wunderschön ist der geworden und wurde auf dem Schrank (2 m Höhe) gehortet. Nach jahrelanger Erfahrung mit Kindern wundere ich mich kein bisschen, dass der Krepppapierrand irgendwie zerrissen ausschaut und repariere ihn ergeben mit Tesafilm. Anscheinend wurde daran manipuliert, um den Inhalt zu checken. Wie sie da hochgekommen sind, sind halt die Mysterien, über die ich mir den Kopf nicht mehr zerbreche.

Was kommt da eigentlich rein in so eine Zuckertüte? Idealerweise 5 Kilo Süßigkeiten! Da das Thema Schule ja für Kinder meist auch einige Enttäuschungen mit sich bringt, fangen wir jetzt gleich mal damit an: Es werden mit Sicherheit NICHT 5 Kilo Süßigkeiten, aber wir wollen immerhin mal nicht knausern. Muss ich auch nicht, denn Timmy ist kein Geizkragen und die anderen Geschwister werden ALLES an manipulativer Gehirnwäsche geben, um ihm einen Großteil davon abzuschwatzen bzw. zu schlicht zu stehlen.

Was noch? Natürlich die von Mama heiß geliebten nützlichen Sachen: Eine Wasserflasche – was eine Wissenschaft für sich ist, wie alle Mütter wissen (bitte mal kurz googlen… ächz… wir sehen uns in zwei Wochen wieder!). Sie soll dicht sein, keine Schadstoffe enthalten und idealerweise in den Geschirrspüler BITTE! (Aber piano, wie immer: Das ist eigentlich egal, sobald Ihr das ideale Teil gefunden habt, wird Euer Sprössling sie umgehend verlieren… und die nächste auch … und die nächste auch… dann nimmt man eine Zeitlang einfach Pfandflaschen, bis man wieder den Mumm gefunden hat, eine neue Flasche zu kaufen – die Pflandflasche geht übrigens NIE verloren, sondern taucht selbst nach sechs in der Schule verbrachten Wochen Sommerferien mysteriöserweise wieder auf). Ein Paar Bayern-München-Socken. Ein Shirt mit Flugzeugen drauf. Einen spacigen Spitzer, der aussieht wie ein Außerirdischer. Radiergummis mit Clown drauf. Einen Fußball-Kuli! Einen WECKER! OH JA! Und natürlich ein schönes Spielzeugauto.

Morgens drücken wir Timmy die Schultüte in die Hand, um dann in der Aula dem hochinteressanten Diskurs der Rektorin und leicht dissonanten Weisen älterer Schüler zu lauschen. An dem ganzen Schulevent ist für Timmy natürlich nur eins interessant: WANN kann ich meine Schultüte öffnen? Doch davon ist keine Rede! Alle Kinder dürfen nun mit ihrer neuen Lehrerin und den Eltern ins Klassenzimmer. Dort angelangt stelle ich fest, dass mein Sohn grüne Lippen hat. Anscheinend hat er vor lauter Verzweiflung in das stark färbende Krepppapier der Schultüte hineingebissen … Letztendlich wird er noch einige Stunden warten müssen, bis er wieder nach Hause kommt, um gemeinsam mit den wartenden Geiern, äh plötzlich äußerst liebevollen Geschwistern die Schätze zu lüften…

Ja, liebe Eltern, jetzt ein paar Worte an Euch zum Ernst des Lebens. Worauf müsst Ihr Euch jetzt einstellen? In erster Linie auf Eure Hausaufgaben, die in den ersten Schulwochen GEWALTIG sind. Rechnet mit drei Kilo Papier mit Unterlagen, die Ihr unterschreiben sollt, einem Elternabend, den Ihr mühsam einplant, der aber dann in letzter Sekunde auf eine noch unchristlichere Zeit verschoben wird. Dann natürlich Grundschullehrer-Prosa mit wortgewaltigen Anweisungen zum Kauf DES einzigen und wahren und glücklich machenden Bleistifts und noch zwei Dutzend weiterer Dinge, die für den weiteren Lebensweg Eures Goldkinds ENTSCHEIDEND sind. Alles stets mit Ausrufezeichen versehen - weiß nicht, soll das einen Rohrstock für die Eltern symbolisieren, wenn man doch den falschen nimmt? Ausrufezeichen! Bzw. drei Ausrufezeichen!!! Dosenspitzer!!!

Eure Sprösslinge schert das natürlich und auch schönerweise null. Sie verschmeißen umgehend die in fünfstündigen Shoppingtouren sorgfältig ausgewählten und zum Preis von purem Gold bezahlten Bleistifte, vorschriftsmäßig mit Namen beschrifteten Klebestifte und hochqualitative Radiergummis; atmungsaktive Hausschuhe verschwinden tonnenweise im Orkus. Frühstücksboxen und Wasserflaschen werden von schwarzen Löchern automatisch angesaugt, und falls sie wieder auftauchen, dann mit schwarzgrünlila schimmernden Pilzkulturen, an die man sich ohne Schutzanzug auf keinen Fall heranwagen will.

Mit zwei Grundschulkindern und einem Neu-Kindergartenkind gerät man schnell in einen Zustand, der sich als Vor-Wahnsinn beschreiben lässt. Sportschuhe, Hausschuhe – plötzlich stellt sich heraus, dass zwei von drei Kindern zwei Nummern größere Füße haben als noch vor vier Wochen. Welches Kind hat wann noch mal Sport? Kunst? Was ist genau ein „kleinerer“ Schuhkarton für Malutensilien? Wie klein ist „kleiner“? Aber ein Zeichenblock unbekannter Größe soll ja auch noch rein? Ist das nicht doch „größer“? Wer war noch mal der Knabe mit den Folienstiften? Permanent oder non-permanent? Wie viel Kopiergeld? Warum muss ein Heftumschlag unbedingt „transparent“ sein? Beide Elternabende verschoben, wann von wem noch mal wohin? Heiliger Bimbam, ich hab Sport und Kunst von Kind 1 und 2 verwechselt, um 6.30 noch mal umpacken. Ich bin jetzt derart bepackt, dass ich Felicitas` Kindergartenordner wieder zu Hause lassen muss.

So! Jetzt aber schnell los! …. Äh, Felicitas streikt, weil ihre Blumenhose in der Wäsche ist und will auch überhaupt nicht in den Kindergarten. Timmy hat plötzlich ein bizarres Ganzkörper-Ninja-Kostüm an! Sofort ausziehen! Der andere meditiert seit 10 Minuten über den Schleifen seiner Schuhe. Ich drehe jetzt gleich durch! ….. „Maamaaa! Meine Hand tut mir weh, schau mal, was da ist…“ „Meine Haarspange ist weg!“ Timmy hat kein Pausenbrot! Verdammt noch mal! Das kann ja heiter werden.

PS. Nach genau 8 Tagen Schule äußert Timmy den denkwürdigen Satz: „Mama, Du hast da was falsch gemacht!“ „Was denn?“

„In die Zuckertüte kommen nur Bonbons hinein und keine anderen Sachen.“ 
„Echt?“
„Ja. Das war ganz falsch.“
Also, jetzt wisst Ihr, was in die Schultüte kommt.

Mittwoch, 9. September 2015

Wir füllen das Vakuum mit Eis



Ich denke, es ist an der Zeit, vielleicht mal wieder an die Wie-hieß-das-noch, ach ja Schule zu denken. Ich mit großer Sehnsucht, andere weniger. 
Wir wiederholen mal die Multiplikationstabellen, gell, Mario? Wie  viel ist 5 x 7? Gähnendes Vakuum, totale Langweile, keine Antwort … 
Ich probier’s mal anders: „Lieber Mario, Du darfst für jeden von uns fünf ein Eis für 70 Cent kaufen gehen, ok? Hier, nimm drei Euro.“ Wie aus der Pistole geschossen der Aufschrei des Entsetzens: „Hey, das reicht doch überhaupt nicht! Du musst mir 50 Cent mehr geben!“

Montag, 7. September 2015

Ferien mit Kindern



Zu einem gelungenen, harmonischen Urlaub gehören ja einige bekannte Elemente. Schöne Landschaften, Meer, Sonne … Gerne flaniert der Tourist ja auch durch eine berühmte Metropole der Wahl und lässt das zauberhafte Flair auf sich wirken. Ja, es war sich einer der beeindruckendsten Impressionen dieses Urlaubs, wie wir stundenlang als Karawane mit drei Kindern, einem Buggy, zwei Koffern, drei Rucksäcken und drei Autokindersitzen durch Barcelona gelatscht sind. Es ist uns leider nicht gelungen, einen der Taschendiebe, vor denen in Reiseführern eindringlich gewarnt wird, dazu zu bewegen, wenigstens einen Autositz oder vielleicht den Rucksack mit dem Nintendo und den beiden rosa Barbieautos, um die so erbittert gestritten wurde, an sich zu nehmen.

Aber egal! Frohgemut stürzten wir uns auf das Vergnügen, die landestypische Küche zu genießen. Äh, Igitt, was sind denn das für ekelhafte Tiere? Sepia? Langusten? Spuckspei! Zum Glück gibt es Alternativen. Eines der absoluten Highlights stellte für unsere Kinder der Besuch eines der sicher grauenvollsten Schnellrestaurants (Ihr wisst schon, das Zeug, das alle Kinder lieben) der Welt dar: Riesenkrawall, Warteschlange 8-spurig. Ich warte mit Felicitas und Timmy in einer Art Höllenkatakombe, während mein Mann und Mario das sog. Essen holen und sich die halbstündige Wartezeit im „Schnellrestaurant“ damit vertreiben, dem Geturtel zweier junger Männer zu lauschen. Felicitas nutzt die Zeit geschickt, um sich umzuziehen und ihre Frisur nachzustriegeln. Immerhin hört man in dem Höllenlärm der Katakombe das Gestreite der Kinder fast nicht. Gelegentlich schicke ich Timmy als Späher zur Warteschlange, weil er dann davon absieht, seine Schwester an den nachgestriegelten Haaren zu ziehen, und ich wissen will, ob mein Mann und mein Sohn entführt worden sind. (Wer da jetzt auch unbedingt hinwill: Plaça de Catalunya in Barcelona).

Wie sind wir da eigentlich gelandet? Sind wir wahnsinnig? Ja, ich denke schon. Gut, den zweistündigen Flug meisterten wir mit links. Ist kein Problem, mit schreienden, prügelnden und heulenden Kindern. Da habe ich wirklich den heißen Eltern-Tipp zum Thema „Flugreise mit Kindern leicht gemacht“: Man muss nur als ALLERERSTES eine mindestens 18-stündige Flugreise absolviert haben. Danach kann einen einfach absolut nichts mehr schocken. Wir stehen auf dem Weg zum Flughafen im Stau? Egal. Felicitas muss SOFORT pieseln? Egal (Oh ja, Windeln für diesen Notfall hätte ich noch einpacken wollen). Felicitas will sich im Flieger nicht anschnallen und heult dafür besonders laut? Egal. Sind ja nur zwei Stunden. (Wir sitzen übrigens direkt hinter der 1. Klasse, haha, das nur zum Thema „Fehlinvestition“.)

Es war, wie erwartet, auch kein Problem, dass wir erst um 19 Uhr losflogen (bei 5 Personen gab das eine Ersparnis von 50 Euro pro Mann, ergo 250 Euro), da unsere Kinder ja bekanntermaßen Nachteulen sind, und problemlos bis 24 Uhr durchhalten. Mein Ältester maulte nur ein wenig über die viel zu kurze Flugzeit, da ihm dann seiner Meinung zu wenig Zeit zum ungestörten Nintendo-Spielen blieb (Familienregel: bei Flugreisen unbegrenzter Bildschirmkonsum). Kleiner Trost war die anschließende einstündige Busfahrt durch das nächtliche Spanien. Die nutzte er, um auch gleichzeitig SMS-en zu schreiben, u.a. an Uroma, die somit die erste SMS ihres Lebens bekam.

 Aber eigentlich verbringen wir die meiste Zeit in einem – vor dem Einfall der Barbaren – ruhigen Badeort. Der Spanier an sich ist ja gemütstechnisch doch etwas anders gestrickt als der in Punkto Kinder hypersensible Deutsche und daher hatten spanische Freunde von uns tatsächlich den Wunsch geäußert, ihren Urlaub mit uns zu verbringen. Ob sie es bereut haben, wissen wir nicht. Äh, nein, sie haben den Kontakt mit uns nicht abgebrochen, wundert mich ehrlich gesagt auch. Auf jeden Fall hatte sich die Schlafenszeit unserer Kinder praktisch sofort um mehrere Stunden nach hinten katapultiert, das Gestreite war infernalisch und auch Bemühungen unsererseits, sie durch mehrstündige badetechnische Aktivitäten zu ermüden, waren natürlich zum Scheitern verurteilt.

Ja, ich fragte mich auch: Wann wird das mal ein bisschen besser? Erfahrungswerte: Ein 6- und ein 8-Jähriger können sich mit deutlich mehr Schmackes prügeln als beispielsweise ein 3- und ein 5-Jähriger. Und auch viel ausdauernder. Ein 6-Jähriger, der eine aktuelle Lebenskrise wegen des anstehenden Schulbeginns schiebt, hat Wutanfälle, die es in sich haben, und die ein 8-Jähriger noch nach Kräften verstärkt.

Beispiel: Zur Mitte des Urlaubs beraumten wir eine Tages-Stadttour im Bus nach Barcelona an. 9 Stunden Heavy-Sightseeing mit diversen Aufenthalten zum Herumflanieren, u.a dem Genuss der landestypischen Hamburger-und-Pommes-Küche, über die ich oben schon geschrieben habe. Wir Erwachsenen hüpfen etwas müde aus dem Bus, die Kinder haber natürlich POWER. Timmy und Mario prügeln sich – an die Lärmschleppe hinter uns haben wir uns mittlerweile gewöhnt, allerdings dreht die Sirene auf dem Heimweg vom Bus in unser Domizil mit der Zeit wirklich unerträglich auf und wir kommen jetzt auch gar nicht mehr voran. Timmy brüllt und brüllt und brüllt und umfängt einen Mülleimer mit beiden Armen, während DER ANDERE feixend um ihn herumläuft. Er lässt sich auf keinen Fall beruhigen. Was tun? Den ANDEREN einfangen und ihn am Feixen hindern, dann die Wir-sind-jetzt-ganz-coole-Eltern-und-wissen-wie-wir-mit-der-Situation-umgehen-Maske aufsetzen (der Puls rast) und abwarten, Passanten, die besorgt auf den Brüllheini blicken, beruhigen (ja, das machen wir auch noch, während wir Señor Feix ablenken und die kleine Señora Ich-bin-dann-mal-weg vom Weggehen hindern – und natürlich beruhigende Worte an Señor Schrei-vor-Pech richten). Der Schweiß rinnt. Irgendwann nach einer halben Stunde Brüll-bis-zum-Anschlag stellt sich heraus, dass Timmy bereit ist, sich im Buggy abtransportieren zu lassen. Wir sind fix und foxi. Naja, wir müssen ja jetzt, nach einem Tag Stadtbesichtigung, nur noch mehrere Stunden am Pool verbringen, und dann sind wir ja schon bereit für die lange Nacht der wachen Kinder (Rekord: ca 1.00, aber das haben wir Erwachsenen nicht mehr genau mitgekriegt). Müssen die nicht irgendwann schlafen? Antwort: Nein. Nicht, dass wir das in den vergangen 8 Jahren mitgekriegt hätten.

Morgens erwache ich … mein Mann bringt mir liebevoll einen extrastarken Espresso ans Bett… äh nein, das war ein Traum. Aber mein Mann ist trotzdem da, aber es riecht hier nicht nach Koffeinhaltigem: „Eines der Kinder hat aufs Sofa gepieselt!“, erklärt er streng. Auch das noch! Wir ziehen alles Waschbare ab, bürsten herum, waschen, fönen, reiben (ich schleiche mich kurz in die Küche, ich brauche KAFFEE!)… wider Erwarten kriegen wir es hin. Die Kinder leugnen das Pieselvergehen natürlich hartnäckig und entwenden dafür heimlich Fantadosen (was unten rausläuft, muss ja schließlich wieder rein, newa).

Klar, meine Bücher, meine Häkelsachen sind wie immer unbenutzt im Koffer, aber immerhin habe ich irgendwann die „Yes we can/Jetzt ist es auch schon wurscht“ Skala erreicht. Egal, was los ist. Vielleicht war der Zeitpunkt derjenige, als mir mein Mann per Zufall eröffnete, dass er die Planung verpeilt hätte (Detailfragen von deutsch-zwanghaften Kontrollfreaks lehnte er jederzeit dezidiert ab). Äh, wir sind übrigens zwei Tage obdachlos. Ok, mein Kontrollzentrum rastet kurz aus (3 Kinder, 2 Koffer, 3 Autositze, 3 Rucksäcke, Hauptsaison, etc. pp., halt der Kontrollzwang, der mich so ereilt). Mein Mann lacht und ruft die, wie sich herausstellen wird, wirklich liebenswürdige Cousine seiner Cousine in Barcelona an, die wir also demnächst besuchen werden.

Absolut herrlich auch: Der Spanier an sich. Problemstellung: Mein Mann will eine Wurst für seine Schwiegermutter als Mitbringsel kaufen und schon berät ihn der halbe Supermarkt, welche in dieser diffizilen familiären Angelegenheit die am besten geeignete wäre. Am Ausgang noch mal Erfolgsgespräch über den gelungenen Einkauf. Oder in einer touristenüberlaufenen Stadt nach dem Weg fragen: Erst mal Austausch der Lebensgeschichte, freundliche Erläuterung des Weges inklusive „Ich wohne da vorne, klingeln Sie einfach, wenn Sie noch was wissen wollen.“ Der freundliche und liebenswürdige Umgangston ist eine Wohltat.

Und ein kulinarisches Highlight gibt es auch noch: Um die Kinder zu ärgern, habe ich einen „Wurm“ (Garnele) gegessen.

Freitag, 14. August 2015

Eigentlich muss er her – der Artikel zum Thema Badesee



Das Thermometer steigt! Das Wochenende kommt mit Hitzerekorden! Jetzt ist Badeseesaison! Die Kinder sind jetzt ja schon größer, wir sind routinierter! Wir verzichten auf die selbstaufstellende, aber nicht selbstwiederzusammenfaltende Strandmuschel, haben aber dafür eine ungemein praktische 1 Quadratmeter große Tasche, in die unsere ganzen Badesachen – ja, sogar Felicitas' 5 Strandoutfits, die sie unbedingt braucht - samt 5 Handtüchern und 1 Familienhandtuch hineinpassen, sowie eine Kühlbox.

Ok, der erste Moment ist ein Schock. Was habe ich mir nur dabei gedacht? Drei Kinder rennen umgehend in drei verschiedene Richtungen davon und entern das Wasser. Hilfe! Selbstverständlich werde ich KEINE ruhige Minute haben! Grundregel Nummer Eins: Verdrängung ist das halbe Mütterglück. Der Schock der Wiederkehr ist allerdings groß à la „Wie konnte ich nur vergessen, dass ein Säugling nachts plärrt und einen NIE in Ruhe lässt?“ (Bei Kind 2 und 3 immer wieder eine totale Überraschung für mich!).

Also: Wie konnte ich nur vergessen, dass ich am See die ganze Zeit dasitzen werde und schauen, dass hier keiner verlorengeht? Wozu habe ich den ganzen Unterhaltungsmist wie Zeitungen und Häkelsachen dabei? WOZU?

Doch Rettung naht: Während Deutsche uns ja im Allgemeinen eher weiträumig meiden, kennen Spanier an sich ja diesen Igitt-Kinder-Impuls nicht und stürzen sich quasi umgehend auf meinen Mann, um mit ihm im heimischen Idiom zu parlieren, OBWOHL drei exaltierte Kinder um ihn herumhoppeln. Stört diese Menschen gar nicht! Sie erkennen auch relativ schnell und gelehrig, dass sie diesem sympathischen Mann Bier und diesen liebreizenden Kindern Eis geben müssen.

Ich bin wunschlos glücklich, denn während diese alle zum Kiosk stampfen: Haha, ich bin hier jetzt ALLEIN, meine Lieben! Tja und wie das Schicksal so will, ist heute mein Glückstag! Timmy hat dort irgendwo Kleingeld gefunden, dass er umgehend wieder investiert: Pommes für alle! D.h. absolute Ruhe im Karton. Also, fünf Minuten, solange sie ihre Pommes mampfen.

Die Kinder wollen dann zum Spielplatz. Oh ja, gute Idee! Ich nehme eine Zeitung mit und breite sie gemütlich aus… und wieder zusammen, denn: HEEEEULLLLL! Timmy holt sich dort eine minimale Kleinstwunde am Fuß und greint. Sehr laut.  An der Melodie der Sirene ich, dass das hier KEIN Fall für den Notarzt ist, aber die Lautstärke… mein lieber Scholli! Timmy humpelt gekonnt vom Platz. Jetzt kommt der Mama-Notdienst! Äh, also nicht ich. Eine Mama hat tatsächlich ein Wundertäschchen dabei, schaut sich seinen Fuß an, schmiert eine Zaubersalbe drauf und gibt ihm ein Benjamin-Blümchen-Pflaster (SO EINE TASCHE brauche ich!). Klappt ihr Täschchen zu und gut ist’s. Danke, liebe Rettungsmama! Du bist echt cool!