Freitag, 8. April 2016

„Nur 10 Minuten“: Die perfekte Anleitung, um in Anwesenheit von Kindern in Ruhe zu telefonieren

Jede Mutter kennt es. Es gibt Telefonate, die man einfach führen muss, ohne dass das Gegenüber den Verdacht bekommt, man säße direkt im Paviankäfig, bzw. wäre es auch sehr schön, wenn man selbst gelegentlich was von dem Gespräch mitkriegt. Sagen wir, um 16 Uhr. Ja gerne. Normaler Mensch: greift um 16 Uhr zum Telefonhörer. Mama: greift um 15.50 zum Telefonhörer nach ausgefuchster Strategie-Entwicklung. 
Die sieht zum Beispiel so aus: 16 Uhr ist, wenn man meine Tochter betrachtet, jetzt gar nicht so übel, da ist sie gar nicht da! Aber: Wenn das Telefonat länger als bis 16.25 dauern sollte, habe ich ein Problem, da ich sie vom Sport wieder abholen muss. Hm. Riskier ich’s oder nicht? Was ist eigentlich mit dem Kindsvater? Nee, der ist geschäftlich notfallmäßig unterwegs, das wird dauern. Aber meine Nachbarin, deren Tochter ebenfalls im Sport ist, die könnte doch auch… SMS an Nachbarin geschrieben. Meine Nachbarin empfiehlt, sich an Freundin K. zu wenden, die ihre Tochter abholt, da meine Nachbarin zu diesem Zeitpunkt bei der Physiotherapie ist. Hm. Freundin K. hat zwei Töchter + Nachbarinnenkind – hat die noch den Nerv für ein viertes? Ich zögere. Dann spreche ich sie doch in letzter Minute an der Tür zur Turnhalle an. Ist mir zwar ein bisschen peinlich, was bei mir dazu führt, dass ich sie vollquatsche wie verrückter Papagei. Aber die verschiedenen Formen der Erniedrigung beim Leute-Anbetteln wegen Kinderbetreuung bin ich schon gewöhnt, das Wichtigste: Es geht klar!
Ach ja, ich habe auch noch zwei sehr laute und sehr lebhafte Söhne, die heute ca. um 16.10 nach Hause kommen. Wenn ich jetzt mein Telefonat um 15.50 statt um 16.00 beginne, habe ich schon mal ein wenig Luft. Aber: Risiko! Gesprächspartner könnte noch nicht da sein. Gespräch könnte länger dauern. Kurz den Summer der Tür betätigen kann ich, aber mehr nicht. Ich schreibe einen großen Zettel, den ich an die Haustür hänge (zum Glück habe ich neulich neues Klebeband besorgt): „Ich muss telefonieren. Bitte geht leise rein. Nehmt das Ipad. Smarties sind auch da. Mama.“ (Ipad laden, Smarties aus dem Versteck holen). Den Haustürschlüssel stecke ich von außen ein. Ja, und schon kann’s losgehen! 
Und wie immer, wenn man die beste Strategie hat, klappt alles auch ohne. Smarties und Ipad wurden ungenutzt wieder eingesammelt (diese Super-Taktik hebe ich mir für später auf!), Tochter auch, die ist erbost, dass sie nicht von Freundin K. und den liebreizenden anderen Mädels fremdbetreut wird. Aber bei einem gemeinsamen Spielplatzbesuch lässt sich das vergessen…

PS. Gewitzte LeserInnen fragen sich vielleicht, warum ich solche Termine dann überhaupt in Erwägung ziehe. Das ist so: Obwohl ich mit drei Kindern gesamtgesellschaftlich kein normaler Mensch mehr bin, tue ich trotzdem gern mal so. Und: No risk, no fun!

Dienstag, 5. April 2016

Was tun bei einer Beule?

Jeder, der mehrere Kinder hat, weiß, dass man einen gewissen Abhärtungsprozess durchläuft. Eine klassische Situation: Mutter kocht, Kind kommt laut weinend angerannt und hat sich den Kopf gestoßen.
Erstes Kind: Essen verbrennt, Kind wird sofort untersucht, beruhigt, nebenher noch mit fliegenden Fingern bei Dr. Google „Gehirnerschütterung“ abgefragt; Ehemann zur ferndiagnostischen Abklärung angerufen. Spezielle Kindersalbe, Pflaster, Kühlbeutel. Man schrammt am Besuch der Notfallambulanz gerade noch vorbei.
Zweites Kind: Schon wieder eine Beule! Kann der nicht besser aufpassen? Kochplatten werden seufzend abgestellt und ein extragroßes Placebo-Bärchen-Pflaster aufgeklebt.
Drittes Kind: Spritzt irgendwo Blut raus (check)? Nein? „Wenn’s sein muss, kannst Du Dir einen Kühlbeutel aus der Gefriertruhe holen.“
Habe ich das jetzt wirklich gesagt, fragte ich mich. Ja, hab ich. Kind hat übrigens vor lauter Euphorie über diese tolle Idee die Beule vergessen. 
Wenn ich’s mir jetzt genau überlege, was besser ist: Dann muss ich Euch doch sagen, dass Lösung 1 und 2 und 3 gleich gut funktionieren. 

Donnerstag, 25. Februar 2016

Dies & das: Die Kleidungsschlüsselgeschichte



Alle, die Kinder zu bekleiden haben, wissen, dass das ein Problem ist. Ich rede jetzt mal nicht von dem riesigen Beutel mit ca. 50 einzelnen Socken in allen gängigen Kindergrößen ohne Partner. Ich weiß, dass die einbeinigen unsichtbaren Zwerge, die unser Haus bewohnen, sie stehlen, und mache mir deswegen keine Gedanken mehr. Naja, ich habe mal kurz gegoogelt, ob es möglich ist, dass unsere Waschmaschine sie alle gefressen hätte, aber irgendwie … bei dieser Menge… wäre sie da nicht längst explodiert? Dass alle irgendwo versteckt sind, ist quasi ausgeschlossen, denn wir haben auf der Suche nach wichtigen Utensilien wie verschollenen (und wiedergefundenen!) Hausschlüsseln bereits alles mehrfach auf den Kopf gestellt. Die Kinder kommen auch NIE ohne zweiten Socken nach Hause, daher die einzige wissenschaftlich plausible Erklärung … siehe oben.
-4 Grad Celsius (das ist unter Null, es liegt ungewohntes weißes Zeug draußen herum). Mein Mittelkind Hot Timmy hat sich schon das passende Outfit für unseren Ausflug angezogen – Begleitung des Bruders zum Schwimmkurs. Fußballschuhe (zwei Nummern zu klein), kurze Fußballhose, T-Shirt, fertich! Ich spiele ehrlich gesagt schon kurz mit dem Gedanken, lehne es aber in halbherzigem Elan trotzdem einigermaßen überzeugend ab, ein Kind in Shorts mitzunehmen. Timmy zieht nolens volens eine Hose ein, d.h. eine Hose des Woolworth-Faschingskostüms „Ninja“ (6,99 Euro), die so dünn ist, dass dadurch man eine Zeitung bequem lesen kann. Weiterhin ein Sommer-Jäckchen aus Sweatshirt-Stoff sowie eine richtige Mütze (über Letzteres staune ich sehr). Zu mehr werde ich ihn nicht bringen – und ich denke wider besseren Wissens „Er wird schon merken, dass ihm kalt ist“ (haha) und packe noch ein paar Klamotten ein. Aber wie soll einem kalt werden, wenn man in Flitzinator-Geschwindigkeit durch das Raum-Zeit-Kontinuum rast? Ich trage meine Power-Winterjacke, Strumpfhosen, Jeans, megafette Wintersocken, Stiefel, einen großen Schal, 1 cm dicke Handschuhe. Und der Junge ist nie krank. Warum wohl? Radikale Abhärtung!!! Sofort, nachdem wir die Schwimmkurs-Schule betreten haben, macht Timmy Striptease, d.h. er ist wieder in kurzen Hosen zu sehen, die er NATÜRLICH heimlich mitgebracht hat. Nachdem wir zurück sind, stellt Timmy fest, dass er eine Blase am Fuß hat. Aha, aha! Was haben wir daraus gelernt? „Das geht wieder weg“, sagt er bedauernd. „Ich will noch eine!“ (Daraus wird nichts, mein Lieber! Die Schuhe sind WEG!).
Ach ja, zum krönenden Abschluss erzähle ich Euch noch die eingangs erwähnte Hausschlüssel-Geschichte: Nach monatelangem nervenzerfetzendem Dauernölen geben wir Mario einen eigenen Hausschlüssel. Wir schärfen ihm elternhaft ein, dass dieser Schlüssel sehr wichtig ist, nicht verloren werden darf etc. pp. Jaja, alles roger, wird gönnerhaft genickt. Ein riesiges Schlüsselband kommt der Übersichtlichkeit halber auch noch dran. Wie blöd kann man sein? – So sind wir halt, kann ich da nur sagen, denn klar ist: Der Schlüssel ist nach drei Tagen weg! Wir sind in Panik! WO IST ER NUR? 
Timmy behauptet, er hätte gesehen, dass Mario ihn in die Schule mitgenommen hätte. Aber Timmy behauptet auch, der so genannte „Pimmelbär“ hätte heute in der Schule den Unterricht gehalten. Sollen wir ihm jetzt glauben oder nicht? Mario, der Beschuldigte, tut sehr konsequent so, als würde er uns nicht hören, sobald ein elterlicher Satz das Wort „Schlüssel“ beinhaltet – so hätten wir uns auch verhalten sollen, sag ich mal. Das ist ja prima.
 Ich renne in die Schule und mache die halbe Belegschaft kirre, bzw. versuche es. Man deutet allerdings nur müde auf einen riesigen Haufen herumgeschmissener Sachen. Der Hausmeister wühlt ein riesiges Schlüsselsortiment in allen Formen und Größen durch. NJET! Nichts! Zusätzlich renne ich auch wie ein aufgeregtes Huhn über den Pausenhof, staune über eine riesige Anzahl von herumgeworfenen Frühstücksboxen und Flaschen, aber Schlüssel… Wir verzweifeln und halten unserem Ältesten Gardinenpredigten, die so lang sind, dass man sie mit der Spule aufrollen kann. Der Schlüssel ist weg. Opa unterstützt/stalkt uns durch regelmäßige Anrufe mit dem Tenor „Der Schlüssel kann doch gar nicht weg sein“. Das will ich ja gern glauben, aber: der Schlüssel IST weg.
Zwei Wochen später erhalten die Meisterdetektive einen weiteren Hinweis: Nun ist auch der Autoschlüssel weg, den mein Gemahl gern auf den Esstisch legt, obwohl er WEIß, dass wir Kinder haben (nehme ich an). Ich halte meinem Mann eine Gardinenpredigt à propos Schlüssel herumliegen lassen etc. pp. Aber nun gerät Felicitas ins Visier der Ermittler: Hat meine ordnungsliebende Tochter etwas mit dem geheimnisvollen Verschwinden zu tun? Ist ja schon ein bisschen verdächtig, wenn zwei Schlüssel verschwinden… was ich aber auch nicht 100% ausschließen kann. Ich nehme sie zum wiederholten Mal ins Kreuzverhör. Sie leugnet hartnäckig. Die Schlüssel sind weg. Ich stelle die Wohnung zum fünften Mal auf den Kopf (übrigens ohne Sockenfund, s.o.).
Irgendwann…. räume ich aus nicht nachvollziehbaren Gründen den Schrank mit Kindersicherung auf, den dreijährige Kinder nicht öffnen können (Achtung! In diesem Satz ist ein kleiner Denkfehler versteckt). Gut verborgen unter einer dicken Lage Geschirrtücher sehe ich ein Schlüsselband. Dann noch eins. Mit einem Schlüssel dran. Marios Schlüssel. Und ordentlich exakt parallel danebengelegt einen Autoschlüssel. Die Systematik erschließt sich von selbst. Das einzige Kind, das Dinge an einen logisch schlüssigen Platz in geometrisch genauer Anordnung aufräumt: Felicitas. Und Sherlock hat wieder einen interessanten Fall gelöst!

Montag, 11. Januar 2016

Das deutsche Schulsystem: Mami, mach mal!

Also, bei uns ist das ja so: Zwei eifrige, vor Lerneifer überschäumende Buben erledigen im Wettstreit die Hausaufgaben – wer sie wohl heute am besten macht? Und dann fragen sie sich gegenseitig ab. Gelernt wird bis in die frühen Abendstunden, selbstverständlich ohne Murren! Auch das geliebte Lesen im Bett wird noch für informative Texte genutzt!

Haha. Naja, man wird ja noch mal träumen dürfen. Also: Man kommt nach Hause und die Schulsachen werden gemeinsam mit Jacke, Mütze etc. auf einen dekorativen Haufen in den Flur gepfeffert. Dann falle ich drüber und meckere/nörgle/schimpfe, was das Zeug hält. Aber das Gehör meine Söhne hat den Defekt/die Gabe, dass die Nörgelfrequenz ebenso wie Lehrerinnenbeschallung praktisch mühelos herausgefiltert wird und auf Interessantes umgelenkt. Idealerweise mit einem möglichst großen Bildschirm. Leider hat die böse MACHT Mama da den Daumen drauf. Aber es gibt ja auch noch andere schöne Dinge im Leben. Zum Beispiel: Wir schmeißen uns mit Schmackes auf den Bruder und prügeln uns, dass die Schwarte kracht! Oder wir gehen beleidigt in ein Zimmer und sperren uns ein – Nörgelfrequenz: „Lass da bitte, Du kommst dann nicht mehr raus“ erfolgreich ausgeblendet.

Kurze Zeit darauf eilt Sohn 1 herbei: „Mama, Timmy hat sich eingesperrt und kommt da nicht mehr raus.“ Welch eine Überraschung! Und: Das Zeit-Management ist perfekt! Ich stehe nämlich am Herd, vier von vier Platten im Einsatz. Es macht mir jetzt nicht SO VIEL aus, dass ein Unruhestifter im Verließ ist, aber ich muss ihn da rauslotsen, bevor er ernsthaft die Panik bekommt, sonst haben wir ein PROBLEM.

Also kommt es, wie es kommen muss: Ich rase hin und her, rühre schnell um, linse durchs Schlüsselloch, „Du musst den Schlüsssel richtig hineinstecken!!!“, schnell zurück und herunterschalten, bevor das überkocht, was auch immer es ist, „Bitte GANZ rein! Und dann umdrehen!“ Ich müsste noch mal kurz überlegen, in welche Richtung, aber Felicitas schreit: „MAAAMAAA! KAKA!“ Ok, kurze Schleife zum Hinternabwischen, der Gefängnisinsasse ist noch ruhig. Was machen meine kulinarischen Highlights? Ich rechne noch mal nach, wer wie viele Fischstäbchen wollte. Zum Glück ist mein Mann jetzt da, er coacht unser Käfigkind, bis es selbstständig herauskommt. Warum ich deswegen nicht durchdrehe: Ist schon unter weit widrigeren Umständen passiert (Highlight einmal im Urlaub: Befreiung nur möglich mit Hilfe eines sehr dünnen und gelenkigen Helfers, der durch eine Luke oben im WC krabbeln konnte). Irgendwie haben wir bisher alle ohne Einsatz der Feuerwehr rausgekriegt.

Ach ja… eigentlich wollen wir uns ja um die Hausaufgaben kümmern. Der Älteste erklärt voll Stolz, dass er derzeit (angeblich) kontinuierlich Hausaufgaben erledige. Jackpot! Leider sind die Elaborate kurzzeitig verschwunden, so dass ich sie nicht wirklich zu Gesicht bekomme. Die suche ich nachher! Also, wenn ich das Käfigkind beruhigt und alle bewirtet habe, einschließlich komplett fassungslosen Gastkinds (Mädchen, 3 Fischstäbchen, Einzelkind, geringe Herumprügel-  und Gefängniserfahrung).

Na gut, EIGENTLICH können mir die Hausaufgaben ja wurscht sein, oder? Stichwort Eigenverantwortung. Eine gute Sache, würde man denken, nicht wahr? Eigenverantwortung lernen. Mann, das klingt ja sowas von prima! Kriegt er halt Ärger in der Schule. Wird er ja was draus lernen. Theoretisch richtig, aber:… Kurze Zeit nach dem Vergehen trudeln erste, aber ernste Benachrichtigungen an MAMA ein. Kind hat seine Hausaufgaben MEHRMALS nicht vollständig erledigt. Kind verhält sich ungebührlich. Kind hat sein Federmäppchen nicht ausreichend bestückt, MAMA soll sich darum kümmern. MAMA soll in die Sprechstunde kommen. MAMA, mach mal! Kümmere Dich endlich mal um Deine missratene, vernachlässigte Brut! Das hört MAMA natürlich überhaupt nicht gerne. Und schon ist MAMA Federmäppchen-Beauftragte, Nachhilfelehrerin, Sozialpädagogin, ferndiagnostische Schulberaterin etc. pp. Komisch nur, dass es hierzulande ja von missratener, vernachlässigter Brut nur so wimmelt.

Eine Mama hat mir nach drei Monaten Schule ein komplett vollgeschriebenes sog. Mitteilungsheft mit Lehrer-Prosa zum Fehlverhalten ihres Sohnes gezeigt. Und das ist ein ganz normaler Junge. Dachte ich. Aber das dachte ich von meinen Jungs ja auch! Und von Michael und von Ali und von Leon und von Jonas und von Max und von Gabriel und von … etc. pp. auch (Namen rein fiktiv)! Und jetzt kommt heraus, die sind alle schwer vernachlässigt/missraten/behandlungsbedürftig! Alle Mamas seufzen schwer. Und fügen sich in ihren Job als Federmäppchen-Beauftragte, Nachhilfelehrerin, Sozialpädagogin, ferndiagnostische Schulberaterin etc. pp.

Und was machen die Kinder, deren Mütter ihren Kindern nicht erklären können, was eine Auslautverhärtung ist? Weiß ich nicht. Müssen ohne Auslautverhärtung klarkommen.

Ein paar Schlagworte: Pisa-Schock, Bildungsreform, gleiche Chancen für alle etc. pp. Also, die üblichen Sonntagsreden. Bei uns gab’s nicht den Pisa-Schock, sondern den Pilz-Schock. Mein Gedächtnis, das in schulischen Belangen doch ein wenig lückenhaft geworden ist, gab anlässlich des Schulstoffs meines Sohnes, einen Blick auf einstmals Gelerntes frei: Ja, genau, diesen endlangweiligen Stoff hatte ich auch! Ihr wisst schon, damals in der STEINZEIT! Da gab’s auch schon Pilze! Mit einem Myzel. Dieses Wort habe ich seit dem bewussten Tag in der 3. Klasse NIE wieder benutzt, bis zu dem entscheidenden Moment, als ich beschloss, meinen Sohn mit Heimat- und Sachkunde zu foltern. Naja, ich hatte immerhin als Kind noch praktische Erfahrung im Pilzsammeln mit den Eltern und Großeltern (Letzere waren als Kriegsgeneration natürlich firm in Pilzkunde), seit Tschernobyl hat das Thema einfach einen gewissen Einschnitt erhalten, von dem es sich hierzulande nicht wirklich erholt hat. Ehrlich, ich werde auch keine Pilze sammeln, weil ich zwar weiß, was ein Myzel ist, aber… sonst!?

Also, alt wie ich bin, herrscht in mir à propos Reformfähigkeit mancher Systeme eine gewisse Abgeklärtheit. Ok, das dauert dann halt noch dreißig Jahre. Oder hundert. Wir bläuen uns jetzt diese Pilze einfach ein. So schlimm finde ich das auch nicht, auch wenn Lernen mit Spaß natürlich mehr bringt. Aber manchmal muss ein Cowboy auch einfach das tun, was getan werden muss. Aber irgendwie herrscht doch ein Unbehagen, wenn der Cowboy ständig auf Mamas Federmäppchenfolterdienst angewiesen ist. Das kann’s eigentlich nicht sein… oder? Hallo Lucky Luke! Wenn Du jetzt nicht SOFORT dein Federmäppchen aufräumst, DREHE ICH DURCH! VIELE GRÜßE! MAMA

Sonntag, 29. November 2015

Wenn Kinder Schimpfwörter benutzen




Wenn Kinder Schimpfwörter benutzen…. ist das leider so. Erst mal kommt über mehrere Jahre hinweg die „PipiKakaPopo“-Phase, und dann geht’s richtig zur Sache: Timmy hat ein neues Wort gelernt. Ich höre „Hurensohn!“ Schluck. Muss das sein? Das ist ja schon ein bisschen arg. Ich frage mal vorsichtig nach: Was ist denn das? Ein „Huhnsohn“ ist ein Kind von einem Huhn, Mama! Ist doch klar! Naja, bei Licht betrachtet, ist dagegen ja nichts einzuwenden. Die phonetische Ähnlichkeit zu einem SEHR bösen Schimpfwort ist zwar ein Problem, aber das will ich jetzt mal nicht weiter vertiefen, zumal Timmy darüber nachgedacht hat und das Schimpfwort eigentlich langweilig zu finden scheint.

Oder ich bin mit der liebreizenden goldhaarigen und sprachlich sehr gewandten Felicitas im Supermarkt und sie sagt plötzlich lautstark: „Wichser, Penner, Arschgesicht!“ Das gibt doch eindeutig Minuspunkte auf der Goldigkeitsskala. Es hat ja sehr viele Vorteile, wenn die jüngeren Geschwister von den älteren lernen, aber eben nicht nur. Der tiefe und ungemein dreckige Pool der Schimpfworte, der den ältesten Grundschulkindern zur Verfügung steht, ist hier lückenlos durchgesickert.

Tja liebe Eltern, Eure Aufgabe ist es leider nicht, noch lustigere und bessere Schimpfwörter zu erfinden (ja und bitte Vorsicht beim Autofahren, gell), sondern den Kindern klarzumachen, dass sie das lassen sollen, was sie aber AUF GAR KEINEN FALL tun werden, also sie dazu zu bringen, die Oberknaller von Eltern, Lehrerinnen und Erzieherinnen unbemerkt loszulassen. Mario hat das gut drauf: Er nutzt die Wartezeit beim Arzt und nimmt sich derweil freundlich eines befreundeten Jungen an, zieht sich mit ihm hinter eine dicke Glastür zurück, und beide kommen freudestrahlend zurück: „Ich habe XY ein SEHR schlimmes Wort beigebracht! Wir sind extra weggegangen, damit Du es nicht hören musst!“ Echt rücksichtsvoll, oder? Erziehungsziel erreicht! Das Erreichen von Erziehungszielen hat natürlich eine Kehrseite: Neulich sagte Timmy zu Mario: „Und weißt Du, was die Mädchen immer zu den Jungs sagen? Ein GANZ schlimmes Wort!“ Ich bin mächtig gespannt und meine Ohren werden ein bisschen länger. Ich platze schon vor Neugier! „Aber ich sag es Dir ins Ohr, damit Mama es nicht hört!“ MIST!!!!

Samstag, 14. November 2015

Eltern-Kind-Beziehung: Erstaunlich! Was Studien so alles herausfinden



Eine “erstaunliche” Studie (http://www.sueddeutsche.de/leben/erstaunliche-studie-mensch-mama-1.2692522) fand heraus, dass das Ergebnis der Eltern-Kind-Beziehung nicht nur das stets artige und wohlerzogene Kind ist (von meinen Söhnen “Kinderroboter” genannt, den sie mir hin und wieder für ein paar Minuten vorbeischicken, wenn’s zu arg wird), sondern dass Kinder auch ihre Eltern beeinflussen – GREAT SURPRISE!
Also, meine Lieben, wie sieht’s aus? Welche wunderbaren, tief in Euch verborgenen Eigenschaften lernt Ihr als Eltern ENDLICH an Euch kennen?

Zum Beispiel die hysterische Meckerziege, die ausflippt, wenn sich Sohn 1 drei Minuten vor Abmarsch beim Herumkaspern das Müsli über die komplette Montur gießt, von der komplett eingesauten Küche mal ganz zu schweigen. Also, da hat man doch schon mal was erreicht auf dem Weg zum ausgeglichenen Selbst, wenn man sich zeternd in einem Haferflockeninferno wiederfindet. Selbstfindungstechnisch hochinteressant: Bin das wirklich ICH? ICH? Oder ist das eine Mama-Klon-Kriegerin? Woher soll ich das wissen? Hat übrigens jemand den Turnbeutel mit dem einen Schuh gesehen? Und kann mal jemand nachforschen, wo der zweite ist? Könnt Ihr nicht mal auf Eure Sachen aufpassen!!! Verdammt noch mal!

Zum Glück kommt uns hier ein weiterer essenzieller Teil der gelungenen Kindererziehung entgegen: die Abstumpfung. Egal was Du tust – irgendwann wird JEDES KIND sein kreatives Talent entdecken und die eben gestrichene Wand mit Wachsmalkreiden dekorieren.  Es gibt da auch keine Möglichkeit – ich wiederhole KEINE -, dies zu verhindern. Wenn man das weiß, gelingt es einem, auch irgendwie cool zu bleiben (Um weitere Deko-Versuche zu verhindern, bitte trotzdem so tun, als hättet Ihr gerade einen Nervenzusammenbruch.) Es gibt  dann übrigens u.a. noch die Klippen „abgerollte Klorolle“, Shampooflascheninferno“, „sinnlose Zerstörung“ und „das unauffindbare Versteck von Mamas/Papas Uhr/Geldbeutel/Autoschlüssel o.ä.  in einem Paralleluniversum“.

Liest man bei Kind 1 noch begeistert Brei-Kochbücher, ist man bei Kind 3 froh, dass dieses Brei kategorisch ablehnt und sich ausschließlich von (fertig gekauften und styroporartig schmeckenden) Hirsebällchen und Apfelschnitzen ernähren will. Das ist übrigens zu dem Kind geworden, das praktisch ALLES isst, von fies riechendem Blauschimmelkäse über Oliven bis hin zu weißen Bohnen.

Oder die Gebetsmühle. Also, ich sage einfach alles 1000 Mal. Ich wiederhole: ALLES. Es gibt Fälle, da nützt es was, in anderen ist es vergeblich. Ich habe meinem ältesten Sohn von Geburt an acht Jahre lang fast täglich erklärt, vor unserem Haus wachse eine BIRKE!!! Als das Thema im Heimat- und Sachkundeunterricht drankam, Überraschung: keinen Plan, wie das weißumschalte Gewächs hier heißt. Ja Himmelbimbam! Anscheinend bin ich hier so eine Art seltsames Hintergrund-Rauschen, dessen Sprache keiner versteht. Aber selbstverständlich werde ich freundlich, aber bestimmt daran erinnert, dass ich vor drei Jahren, als er fünf war und noch im Kindergarten war, gesagt hätte, er dürfe mit acht Jahren usw. usf. ... Außerdem hätte ich noch ausstehende Taschengeld-Schulden von vor den Ferien in Höhe von exakt 2,50 Euro, wann ich die denn zu zahlen gedenke? Übrigens idealerweise sofort! Ahaaha, wieso bekommt der blöde Timmy einen Bonus für Hausaufgaben in der 1. Klasse, bei mir vor zwei Jahren gab es das noch nicht! Du schuldest mir 267,50 Euro!

Eine sehr schöne Variante der Gebetsmühle ist das krankhafte Absondern von Elternsprüchen, mit denen uns schon unsere Eltern ihre absolute Uncoolheit bewiesen haben: Hier die allerschönsten für Euch:

  • Solange Du die Füße unter meinen Tisch streckst, bestimme immer noch ich.
  • Die Kinder in Afrika wären froh, wenn sie so schönen Haferschleim bekämen.
  • Wir meinen es nur gut mit Dir (und daher hast Du jetzt bis zu Deinem 12. Geburtstag Fernsehverbot o.ä.)
  • Zu meiner Zeit gab es das noch nicht!
  • Du kannst froh sein, dass Du überhaupt Eltern hast! Sogar wenn sie so blöd sind wie wir!

Und was gibt es noch? Treten wir anfangs mit leuchtend strahlendem Baby noch voller Idealismus an, dass wir es so viel BESSER und COOLER machen als alle anderen … tja, bereits nach wenigen Monaten durchwachter Nächte, vollgekotzter Bettwäsche, fiebrigen Erkältungen von furchtbaren Durchfallerkrankungen, aparten Neuentdeckungen auf dem spannenden Gebiet der Medizin wie Mundfäule, Hand-Mund-Fußkrankheit etc.,  usw. stellt sich der Tacho ein auf: DURCHKOMMEN IST ALLES! WIE HALTEN DIE ANDEREN DAS BLOSS AUS? Bis der liebe Nachwuchs das nächste Mal für ca. 14,5 Minuten am Stück schläft, sind es noch mindestens acht Stunden, meine Augenringe kann ich mir mit dem Knie hochwerfen – was zur Hölle soll ich jetzt machen???

ABER: Das ist uns ja sowas von wurscht! Sind Kinder nicht einfach entzückend?  (Frage: Woher kommen eigentlich die ganzen blöden Erwachsenen, die wir nicht leiden können? Waren die nicht auch mal entzückende Kinder?). Zeit für die Generalrevision der blöden Elternsprüche? Nein, die nehmen die Kinder sowieso nicht ernst. Ach ja, einen hab ich noch: „Uns hat’s auch nicht geschadet!“

Sonntag, 1. November 2015

Schule



Also, meine Lieben, Schule. Mittlerweile habe ich mich komplett in das Thema Zahlenpyramiden und Rechendreiecke eingearbeitet und freue mich auch schon sehr auf das Thema Integrale, obwohl das noch in weiter Ferne liegt (denke ich, vielleicht macht man das jetzt in der 4. Klasse, who knows?),  denn da bin ich mir todsicher, das mal sehr gut beherrscht, aber absolut vergessen zu haben. Schreiben kann ich auch schon ein bisschen. Juhei! Ich bläue dem Drittklässler ein, was offene und geschlossene Silben sind (frage ich mich insgeheim: wozu braucht man das? Habe ich das jemals … äh, hallo, liebe Mamacita, das war im Kontext Schule also wirklich die falsche Frage, bitte SOFORT abgewöhnen). Heimat- und-Sachkunde-Unterricht. Im Grunde ist das ein Geheim-Fach, weil mein Sohn aus unbekannten Gründen die Bücher und Hefte immer in der Schule lässt und es auch konsequent NOCH NIE erwähnt hat. Aber WIR sind ja schlaue Füchse, und wissen trotzdem, dass es dieses Fach gibt. Die Lehrerin hatte am Elternabend das Thema „Wald“ erwähnt und wir nehmen ihn ins Kreuzverhör. Er gibt zu, von den Baumarten Tanne und Fichte schon mal gehört zu haben. AHA! So, jetzt heißt es Grünzeug googlen. Also, was war noch mal was? Welches Kraut nimmt man für den Weihnachtsbaum? Kann doch nicht so schwer sein… Und zur Krönung unseres Kinderquälprogramms bestellen wir uns heimlich das HSU-Schulbuch! Und wenn das jetzt nicht binnen drei Sekunden auswendig gelernt ist, muss er es von seinem Geld bezahlen – kleiner Scherz, der sich aber gelohnt hat.
Sohn 2 Timmy hat in der ersten Klasse ja noch Schonfrist. Er hat allerdings ein neues Hobby entdeckt. Die Langeweile in der Schule ist anscheinend so quälend, dass er sein Hausaufgabenheft von unten bis oben und vorne bis hinten mit Höhlenmalereien bedeckt hat, ebenso seine Kleidung (geht zum Glück alles wieder raus). Schönschrift sieht auch anders aus. Aber mir wird eins klar: Wenn ich dreimal diesen ganzen Bimbam durchmachen muss, DREHE ICH DURCH! Ich setze Sohn 1, Mario, auf ihn an. Der nimmt sich Timmys Schulranzen gründlich vor: „Hier sieht es ja aus wie im Schweinestall! Ich zeige Dir, wie man ihn aufräumt!“ – „Die Hausaufgabe musst Du noch mal machen, total geschmiert ist das!“ (Jahrelang sah man in Marios Ranzen verrottende Papier-Orangenschalen-Bleistiftspitz-Installationen, gepaart mit eselsohrigen fettbefingerten Altpapierhaufen, doch kaum eröffnet sich die herzerquickende Aussicht darauf, den Bruder zu belehren, ist das so herrlich! Und sein eigener Schulranzen sieht auch irgendwie GUT aus).
Rückblende (ungefähr 500 Jahre): Ich bin ja selbst auch schon mal zur Grundschule gegangen. Erinnere mich nicht, jemals Hausaufgabenhilfe erhalten zu haben. Verklärung der Vergangenheit? Meine Mutter erklärte mir dazu schlicht: Das kannte ich nicht, dass die Eltern Hausaufgaben machten, ist mir also nicht eingefallen. Was für ein idyllischer Zustand! Ähnliches erzählen mir übrigens viele Jetzt-Eltern, die gramgebeugt wegen der Knechtung durch Hausaufgaben durch das Weltgeschehen wandeln. Wie das kommt? Keine Ahnung! Wenn ich’s herausgefunden habe, sag ich’s Euch!
Rückblende (ungefähr 1000 Jahre): Meinen (generell überaus friedfertigen) Papa befragt. Angesichts der schulischen Erfahrungen mit meinen Söhnen schwelgt Opa in Erinnerungen an Rohrstock und Backpfeifen (Frage: Kann man die bei Ebay oder direkt beim Kultusministerium bestellen?), die ihn direkt aufs Gymnasium katapultiert hatten. Das waren ja damals noch Sitten, kaum zu glauben. Aber Sprüche à la „Seid froh, dass Ihr …“ usw., kann man sich natürlich sparen. Nicht, dass wir sie uns verkneifen könnten, dazu ist die Versuchung doch zu stark.
Bin aber echt froh, momentan Ferien zu haben…